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Unabhängige Bewertungen und Reiseberichte zum Thema Kreuzfahrten direkt aus 1. Hand.

 

Rund um Westeuropa mit der „GTS Millennium“


Von Garfield (männlich)
Alter: 49
Detailbild Schiff Celebrity Millennium
Quelle: Quelle: Rainer Nuyken
SchiffCelebrity Millennium
Bericht vom21.04.2007
Reise vom21.04.2007
Dauer12 TAGE
RouteWesteuropa

REISEBERICHT IM DETAIL


An- und Abreise, Organisation

Auch für unsere mittlerweile siebte Kreuzfahrt buchten meine Frau und ich (beide Mitte 40) die An- und Abreise als Paket beim Veranstalter, diesmal also bei Celebrity Cruises.

Die Anreise verlief wie erwartet problemlos, unser Lufthansa-Airbus (nur halb voll, daher sehr bequem) brachte uns pünktlich nach London Heathrow. Wir wurden von einer freundlichen Celebrity-Mitarbeiterin direkt am Ausgang in Empfang genommen und zur Wartezone in der Ankunftshalle geleitet, wo sich auch bereits andere Gäste für die „Millennium“ eingefunden hatten. Hier informierte sie uns, dass jetzt alle Passagiere für den Transfer da seien, aber leider der Bus noch fehle – wir möchten doch so freundlich sein zu warten, thank you for your understanding. Natürlich waren wir so freundlich. Wir warteten. Verständisvoll. Geduldig. Ausdauernd. In der unerschütterlichen und nie wankenden Zuversicht, dass der Bus bald kommen würde. Fast drei Stunden lang ...

Als der Bus dann endlich eintraf, ging aber alles so blitzartig, als ob Celebrity beweisen wollte, wie peinlich den Verantwortlichen die Panne mit dem Bus gewesen sei. Nach knapp 90 Minuten Fahrt trafen wir am Terminal in Southampton ein und wurden in eine Wartehalle gewiesen, die so elegant war, dass wir erwogen, hier nochmals ein kurzes dreistündiges Päuschen einzulegen - man will ja möglichst alles nutzen, was man bezahlt hat, nicht wahr? Ging aber nicht. Es waren nämlich fast mehr Abfertigungsschalter als Gäste vorhanden, so dass wir praktisch sofort zum Check-In vorrücken konnten, wo Dank der Vorab-Übermittlung der Personendaten per Internet (man bekommt dann einen sogenannten „Xpress-Check-In-Pass“, eine sehr praktische Angelegenheit) nur noch die Reisepässe kontrolliert und die Kreditkarte eingelesen wurden. Nach Entgegennahme der Bordkarten und des Marschbefehls („Have a lovely time!“) mussten daher nur noch die üblichen Sicherheitskontrollen und das obligatorische Einschiffungsfoto überwunden werden, und schon saßen wir im Grand Foyer der „Millennium“ - ein wenig atemlos ob der Geschwindigkeit (es zu schreiben dauerte wesentlich länger als es zu erleben) und mit einem Glas Begrüßungschampagner in der Hand.

Die Organisation der Landausflüge war einwandfrei und gut durchdacht. Bereits am ersten Tag wurden die Tickets für unsere (vorab gebuchten) Ausflüge geliefert, auf denen schon der jeweilige Treffpunkt und die Uhrzeit vermerkt waren. Die Ausflüge starteten fast immer sehr pünktlich, und bei mehreren Bussen pro Tour wurde der Fahrtverlauf variiert, um zu vermeiden, dass mehrere Busse gleichzeitig zum gleichen Ziel fuhren. Die Durchführung war jedesmal sehr professionell, und auch die Rückfahrt erfolgte beinahe auf die Minute genau.

Angenehmerweise wurde von Celebrity in jedem Anlaufhafen (außer Gibraltar, wo dies wirklich nicht nötig war) ein Shuttle-Bus für diejenigen geboten, die etwas auf eigene Faust unternehmen wollten. Die Tickets für den Shuttle waren meist am Vortag im Ausflugsbüro erhältlich, konnten aber von Kurzentschlossenen auch problemlos am Bus selbst gekauft werden.

Problematisch in organisatiorischer Hinsicht erwies sich allerdings während der gesamten Reise die Rückkehr an Bord, und zwar unabhängig davon, ob man einen geführten Ausflug gebucht hatte oder auf eigene Faust unterwegs war - immer bildeten sich enorme Schlangen an der Gangway. Der Grund dafür lag in den Sicherheitsvorkehrungen: Taschen, Beutel, Jacken etc. wurden nicht nur einmal geröntgt (daran hat man sich ja mittlerweile gewöhnt), sondern meist gleich zweimal (einmal beim Eingang ins Hafengebäude, einmal an Bord), und ebenso musste man nicht einmal, sondern zweimal durch einen Metalldetektor schreiten und wurde trotzdem ab und an auch noch mit einem Handgerät abgetastet - sicher ist sicher. Diese ganzen Prozeduren kosteten viel Zeit, und ob dadurch die Sicherheit wirklich nennenswert verbessert werden konnte, lasse ich dahin gestellt.

Die Abreise wurde erwartungsgemäß genauso routiniert abgewickelt wie alle anderen organisatorischen Herausforderungen. Wir trafen zur angegebenen Zeit in der uns zugewiesenen Lounge ein, konnten zehn Minuten später von Bord gehen und unsere Koffer einsammeln und nahtlos in den Shuttle-Bus zum Flughafen steigen.

In der sehr erfreulichen Gesamtbetrachung kann man daher feststellen, dass Celebrity die Organisation und Führung großer Menschenmengen und die damit zusammenhängenden Probleme (fast) tadellos im Griff hat, und das auf eine Weise, die das alles fast schon als spielerisch erscheinen lässt - aus meiner Sicht ein dicker Pluspunkt. Nur für die Sicherheitskontrollen müsst ihr euch noch etwas einfallen lassen, liebe Celebrity-Leute - wie wär´s denn mit ein wenig Mut zum Risiko?

Die Route

Der Titel unserer Reise lautete „Spring in Europe“, und sie beinhaltete entsprechend eine schöne Auswahl an westeuropäischen Anlaufhäfen:

21.04.: Anreise nach Southampton und Einschiffung

22.04.: Le Havre. Hier fuhren wir im Rahmen eines Halbtagesausflugs zunächst nach Fécamp, wo der berühmte Bénédictine-Likör hergestellt wird. Die Führung umfasste neben der Besichtigung der Produktionsanlagen auch eine Verkostung der flüssigen Delikatesse und - natürlich - die gut genutze Möglichkeit, ein oder zwei Flaschen davon zu kaufen. Danach besuchten wir Etretat, ein Seebad aus dem 19. Jahrhundert mit einem schönen Strand und beeindruckenden Klippen. Hier hatten wir die Gelegenheit, etwas zu bummeln und das französische Kleinstadt-Flair zu genießen. Unsere Führerin war sehr gut informiert und mit Herz und Seele bei der Sache und trug mindestens genauso viel wie der Bénédictine dazu bei, dass dieser Ausflug ein voller Erfolg wurde.

23.04.: Zeebrügge. Auch hier hatten wir einen Halbtagesausflug gebucht, der uns nach Brügge führte, wo uns ein einheimischer Führer zu Fuß die mittelalterliche Stadt zeigte. Auch dieser Führer war sehr gut, und es gab keine Frage, die unbeantwortet blieb. Höhepunkt des Ausflugs war die Vorführung eines Chocolatiers, der vor unseren Augen die bekannten belgischen Pralinen herstellte und zum Probieren und – natürlich – zum Kauf bereit stellte. Auch dieser Ausflug war in jeder Hinsicht seinen Preis wert.

24.04.: Amsterdam. Dies war unser dritter Halbtagesausflug, diesmal mit dem Bus zu den wichtigsten Stellen der Stadt, gefolgt von einer Bootsfahrt durch die Grachten. Auch hier war der Führer gut vorbereitet und souverän, wenngleich natürlich für Amsterdam ein halber Tag zu kurz ist. Dieser Ausflug war unser einziger, der zu spät startete, da die örtlichen Hafenbehörden die Freigabe des Schiffes verzögert hatten. Diese Verzögerung holte unser Führer aber leider wieder herein, indem der die zum Einkaufen und Bummeln vorgesehene Zeit strich, was insbesondere die amerikanischen Gäste schwer verärgerte (und was wir auch nicht besonders schön fanden).

25.04.: Seetag

26. - 28.04.: an Bord. Leider fiel meine Frau einer schweren Magen-Darm-Entzündung zum Opfer, so dass wir die Ausflüge in La Rochelle und Bilbao, die wir eigentlich geplant hatten, nicht durchführen konnten. Anstelle dessen setzten wir notgedrungen mehrere Exkursionen ins Bordhospital auf unser Programm.

29.04.: Lissabon. Den vorgesehenen Ganztagesausflug strichen wir mit Rücksicht auf den noch angegriffenen Gesundheitszustand meiner Frau und entschieden uns, statt dessen auf eigene Faust durch die großartige Altstadt zu bummeln. Besonders eindrucksvoll fanden wir die Kathedrale, die man auf keinen Fall verpassen sollte.

30.04.: Gibraltar. Hier war bereits das Einlaufen in die Bucht ein Erlebnis für sich. An Deck zu stehen und den berühmten Felsen („The Rock“ wurde in der Antike als eine der Säulen des Herkules betrachtet) langsam über dem Horizont auftauchen zu sehen, ist schon etwas Besonderes. Außerordentlich interessant war darüber hinaus die Beobachtung des dichten Schiffsverkehrs – die „Millennium“ musste sich förmlich durch die Schar der kleineren Schiffe schlängeln. In Gibralter zogen wir ebenfalls auf eigene Faust los und verloren uns bald in den zahlreichen Geschäften, die in der kleinen britischen Kronkolonie zollfrei und damit recht günstig Spirituosen, Schmuck, Parfums und (für uns etwas überraschend) sehr schönes mundgeblasenes Kristall anbieten – bei letzterem konnten wir nicht widerstehen und deckten uns mit einigen schönen Gläser-Garnituren ein. Der eigentlich obligatorische Ausflug auf den Felsen fiel aber ins Wasser, da leider die Seilbahn außer Betrieb war und wir beide nach dem Bummel und den Einkäufen weder Lust auf einen anstrengenden Fußmarsch noch auf eine Fahrt in einem stickigen Sammeltaxi hatten. Macht aber nichts – hier kommen wir sicher nochmal hin.

01.05.: Tanger. Dieser Hafen war für uns ein Reinfall, den Celebrity allerdings nicht zu verantworten hat. Nach dem Übersetzen im Tenderboot wollten wir mit dem Shuttle-Bus in die Altstadt fahren, stellten allerdings fest, dass sie wegen einer riesigen Demonstration unerreichbar war. Nachdem der Fahrer des Busses eine Stunde von allen Seiten vergeblich nach einem Schlupfloch gesucht hatte, kehrten wir zum Hafen zurück und setzten wieder auf die „Millennium“ über. Dabei hatten wir, wie sich später herausstellte, noch Glück gehabt – zwei vorher abgefahrene Shuttle-Busse hatten die Altstadt noch erreicht und saßen dort mit rund 100 Passagieren stundenlang fest. Positiv ist anzumerken, dass Celebrity die Gebühr für den Shuttle-Bus anstandslos zurück erstattete.

02.05.: auf See

03.05.: Ankunft in Barcelona, Ausschiffung und Heimreise.

Insgesamt hat uns diese Route in der Abwechslungsreichheit der verschiedenen Nationen und der verschiedenen Städte sehr gut gefallen, wenngleich auch persönliches Pech den Ablauf nicht so gestattete, wie wir das geplant hatten. Wir hätten aber nichts dagegen, diese Strecke nochmals zu befahren.

Das Wetter war während unserer Reise sehr wechselhaft. In den ersten fünf Tagen hatten wir frühlingshafte Temperaturen von ca. 20 – 25 °C und heiteren bis leicht bewölkten Himmel, also ideale Reisebedingungen. Dies änderte sich in der Biskaya: Starke Bewölkung, recht frischer Wind (mit entsprechendem Seegang) und gelegentliche Regenschauer machten den Aufenthalt auf den ungeschützten Deckflächen recht ungemütlich. Auch in Lissabon, Gibraltar und Tanger hatten wir starke Bewölkung und Temperaturen von um 20°C (also sogar kälter als zur gleichen Zeit in Deutschland), aber wenigstens keinen Regen. Als Reise für Sonnenhungrige oder gar -anbeter war diese Route damit denkbar ungeeignet.

Das Schiff

Natürlich hatten wir von der „Millennium“ vor unserer Reise zahlreiche Fotos gesehen – aber als wir tatsächlich vor ihr standen, mussten wir doch erst einmal tief durchatmen. Der erste äußere Eindruck: Extrem unruhig und verschachtelt. Der Bug ist eher klassisch gestaltet, mit glatten, steil aufsteigenden Aufbauten. Dahinter aber findet sich ein Sammelsurium von von Balkon-Terrassen, eckigen und halbrunden Vorsprüngen und Erkern, mehreren Glastürmen, alles überragt vom Schornstein mit dem riesigen Reederei-Emblem, dem großen „X“ (kein lateinischen „X“, sondern ein griechisches „Chi“) sowie der ganzen nautischen Ausstattung. Zum Heck hin fällt das Schiff zunächst terrassenartig ab, um dann aber abruput und irgendwie abgehackt zu enden, so als ob die Konstrukteure nach knapp 300m keine Lust mehr gehabt hätten und Feierabend machten. Mich erinnert dies alles an die Lego-Schiffe, die mein Sohn als Kind baute, und man muss hier betonen, dass er meist schönere Schiffe konstruierte. Von der Farbgebung her ist die „Millennium“ kreuzfahrtüblich in weiß gehalten, das aber durch den blauen Schornstein und eine breite, zwei Decks hohe blaue Bauchbinde akzentuiert wird, was uns ganz gut gefallen hat. Dieser blaue Streifen verjüngt sich zum Bug hin (entsprechend steigt die Bemalung des Wasserlinie hier an), was sicherlich eine schnittige Silouette erzeugen soll, auf uns aber hochnäsig wirkte – vor allem, wenn man sich der „Millennium“ von vorne nähert, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Schiff würde die Nase rümpfen.
Insgesamt ist die „Millennium“ also wie viele zeitgemäße Schiffe von außen nicht gerade eine ästhetische Attraktion.

Wie viele zeitgemäße Schiffe macht sie dies allerdings mit dem Innendesign wieder wett. Auf der „Millennium“ dominiert Holz – viele der öffentlichen Bereiche sind mit eleganten dunklen Hölzern verziert, zum Teil finden sich auch freundliche helle Hölzer, alles ergänzt mit einer passenden Farbgebung in gedeckten Farben wie dunkles ocker, braun, grün und rot. Messing findet sich fast nirgendwo, Chrom wurde nur sehr sparsam benutzt. Alles in allem punktet die „Millennium“ mit einem ausgesprochen eleganten, warmen, zeitlosen, europäischen Design, das für ein amerikansches Schiff eher ungewöhnlich ist, das man aber auch in vielen Jahren noch anschauen kann. Hervorzuheben ist auch die großzügige und weitläufige Aufteilung des Schiffes; bereits nach dem ersten Rundgang war es fast unmöglich, sich zu verlaufen, und Platz fand man stets immer und überall, egal, ob im Theater, in den Bars oder an den Pools. Den Erhaltungszustand des Schiffes kann man als altersentsprechend gut bezeichnen – sieben Jahre intensiver Nutzung hinterlassen natürlich Spuren, die aber fast nie unangenehm auffielen bzw. manchmal sogar wie die Patina auf einem Schmuckstück zum angenehmen Ambiente beitrugen. Erneuerungsbedürftig sind eigentlich nur die Teppichböden; gerade vor den Aufzügen und in den Bereichen mit viel Publikumsverkehr zeigten sich hässliche Laufspuren, die auch mit der besten Pflege nicht zu beseitigen sind.

Die für uns wichtigsten Einrichtung im Detail: Das Grand Foyer könnte man auch als das Herz des Schiffes bezeichnen. Es umfasst die Decks 3, 4 und 5 und wird von einer großen, von innen beleuchteten Marmor-Freitreppe dominiert, die nicht wie auf vielen anderen Schiffen gewunden, sondern breit und gerade von Deck 3 auf Deck 4 führt. Diese Treppe wird von wuchtigen, holzverkeideten Pfeilern mit Textildekoration flankiert, durch die das ganze Assemble eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Eingang des Speisesaals der ersten Klasse auf der legendären „Normandie“ erhält. Auf Deck 3 des Grand Foyers befinden sich Rezeption, Bank und Ausflugsbüro, auf Deck 4 eine Reihe von gemütlichen Sitzgruppen. Deck 5 wird vom Cova Café Milano sowie einigen Geschäften eingenommen.

Ebenfalls über die Decks 3 und 4 befindet sich das Metropolitan Restaurant. Im Heck gelegen erstreckt sich der Hauptteil des beeindruckenden Raums auf Deck 4 großzügig von einer zwei Decks hohen Fensterfront im Heck zu beiden Seiten der Treppe, die zu Deck 5 hinaufführt und von einer Nische gekrönt wird, auf der zu den Gala-Diners und zum Gala-Mitternachtsbuffet ein Quartet aus Strechern und Flügel das Mahl musikalisch mit klassicher Musik begleitet. Die Wände sind wie auch die Säulen mit dunklem Holz getäfelt. Eingerichtet ist das Metropolitan mit zur restlichen Ausstattung passenden blass rot gepolsterten Stühlen, die Anklänge an den Stil Louis-Phillipe zeigen, leider aber auf Armlehnen verzichten und vor allem durch die vorstehende Polsterung der Rückenlehne nicht sonderlich bequem sind. Unser Tisch in der Nähe des Eingangs lag insofern ungünstig, als man von den beiden „Zipfeln“ des Metropolitan den großen Hauptteil nicht einsehen kann; dafür saßen wir aber direkt neben einem der bodenhohen runden Fenster mit einem schönen Ausblick auf die See.

Ebenfalls auf Deck 3 befindet sich das Zuzahlrestaurant The Olympic, das sich vor allem durch zwei Vorräume auszeichnet, von denen einer Memorabilien an den berühmten White-Star-Liner enthält, der für das Restaurant Pate stand. Zu den ausgestellten Sehenswürdigkeiten zählt neben Postkarten, Originalaufnahmen und einem Gedeck der ersten Klasse des seinerzeit beliebten Schiffes vor allem auch die Schiffsglocke der „Olymic“. Im zweiten Vorraum wurde die Originaltäfelung dieses Schiffes aufgebaut – Celebrity hat extra dafür das Haus in England gekauft, wo diese Teile nach dem Abbruch der „Olympic“ Mitte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts verbaut wurden. Das eigentliche Restaurant ist zwar nicht original, aber orginalgetreu im edwardianischen Stil mit hellen Möbeln und Wandverkleidungen eingerichtet. Ausprobieren konnten wir es aber leider nicht, unsere Reservierung mussten wir leider krankheitsbedingt zurück geben.

Zwanglose bzw. legere Mahlzeiten (allerdings nicht zu leger; Gästen in Badekleidung wurde angenehmerweise schon auch mal der Zutritt verwehrt) konnten im Buffetrestaurant auf Deck 10 achtern eingenommen werden, wofür das Ocean Café und der Ocean Grill ein gutes Drittel des Decks einnahmen. Das Café und der Grill gehen nahtlos ineinander über und unterscheiden sich nur in der Bestuhlung: Im Ocean Grill finden sich sehr gemütliche blau-grau gemusterte Sessel mit Armlehnen, im Ocean Café blau-weiß gestreifte Bänke und Polsterstühle. Diese Stühle zählen zu den Einrichtungsgegenständen der „Millennium“, die am meisten mitgenommen sind: Offensichtlich waren auch sie nämlich einmal mit Armlehnen ausgestattet, die jedoch irgendwann entfernt wurden (von einigen Veteranen abgesehen), ohne sich allerdings die Mühe zu geben, die Bohrungen fachgerecht zu beseitigen (sie wurden nur oberflächlich mit etwas Holzkitt verschlossen) – ein trauriges und für mich nicht nachvollziehbares Vorgehen. Die Tische sind sehr einfach, aber zweckmäßig: Hellgrauer Kunststoff mit einem blauen Streifen, alle fest am Boden verschraubt. Ein interessantes Detail bieten die erkerartigen Deckvorsprünge im Café und im Grill: Sie überragen die Schiffsbreite um ca. 1 ½ Meter und besitzen jeweils zwei große, in den Boden eingelassene dicke Glasscheiben, durch die man – zehn Decks über dem Meer – beim Essen die unten vorbeirauschende See (oder im Hafen das Treiben auf dem Kai) beobachten kann. Dies ist allerdings nichts für Leute mit Höhenangst. Erwähnenswert sind außerdem die verwendeten Gedecke: Man erhält – wie gewohnt – ein Kunststoff-Tablett, das aber sehr edel mit einem Leinen-Set bedeckt ist und damit von vorne herein das Aufkommen von Kantinen-Atmosphäre verhindert. Teller, Tassen und Schüsseln bestehen dann allerdings nicht aus dem gewohnten Kunststoff, sondern aus Porzellan – doch, tatsächlich, echtes Porzellan, einfach in weiß gehalten mit einem fröhlichen lindgrünen oder hellgelben Rand. Da andere Reedereien (u.a. auch Costa und MSC) ja nicht müde werden zu betonen, dass sie im Buffetbereich aus Sicherheitsgründen Kunststoff verwenden, waren wir natürlich beim ersten Mal etwas schockiert über die Leichtfertigkeit, mit der Celebrity das Wohlergehen seiner Gäste aufs Spiel setzt; nach längerer Überlegung entschlossen wir uns allerdings trotz der Sicherheitsbedenken, das Risiko einzugehen. Ich muss auch einräumen, dass sich meines Wissens auf unserer Reise die Zahl der durch das Porzellan verursachten Todesfälle an Bord in akzeptablen Grenzen gehalten hat.

Anlaufpunkte für einen gemütlichen bzw. eleganten Abend und einen Cocktail waren die Rendez-Vous Lounge auf Deck 3 und der Platinum Club auf Deck 4. Eingerichtet mit gemütlichen und bequemen Sitzgruppen in Blau und Ocker (Rendez-Vous) bzw. Lila-Weiß gestreift (Platinum) und jeweils farbig abgestimmten Teppichböden waren dies Orte, wo man sich auch tagsüber bequem aufhalten konnte. Die Rendez-Vous Lounge verfügt auch über eine Tanzfläche, und regelmäßig wurde hier Live-Musik geboten, wovon auch der Platinum Club profitierte, da die beiden Räumlichkeiten durch einen geländergesäumten Durchbruch in der Decke verbunden sind.

Am wenigsten gefallen hat uns auf der „Millennium“ das Celebrity Theater. Es erstreckt sich über die Decks 3 – 5 mit Eingängen auf Deck 4 (Zugang zum Parkett auf Deck 3 und dem ersten Rang auf Deck 4) und Deck 5 (Zugang zum zweiten Rang). Einrichtet mit bequemen Polsterbänken in Rot und Grün war es recht gemütlich. Störend fanden wir allerdings die Dekoration: Zu beiden Seiten der großen Bühne waren je zwei mannshohe matt chromfarbene Fackeln angebracht, die Seitenwände mit langweilig mausgrauen Panelen waren durch Fenster unterbrochen, in denen wie auch in den Fackeln falsche Flammen loderten. Dies alles zusammen wirkt einfach nur kitischig. Das Celebrity Theater ist damit der einzige Raum, wo die amerikanische Provenience des Schiffes richtig unangenehm durchschlägt.

Auf Deck 10 vor dem Buffetrestaurant befindet sich der Hauptpoolbereich, der Riviera Pool. Er besteht aus zwei mittelgroßen Becken und vier Whirlpools, die von bis zu vier Reihen von Liegen umgeben sind. Die Liegen selbst bestehen aus einem Aluminiumrahmen mit auch für größere Passagiere ordentlichen Maßen mit einem Kunststoffgeflecht und einem mehrfach höhenverstellbaren Kopfteil und sind an sich schon sehr bequem. Trotzdem sind die Liegen am Riviera Pool nochmals mit einer dicken dunkelblauen Schaumstoffauflage versehen, die auch der einer Prinzessin auf der Erbse ausreichend Komfort geboten hätten. Schatten- und Sonnenplätze halten sich die Waage; die Liegen unter der Joggingbahn auf Deck 11 sind sowohl hinreichend windgeschützt, um sie auch bei schlechterem Wetter benutzen zu können als auch durch Schiebefenster in der seitlichen Verglasung ausreichend belüftet, damit die Atmosphäre nicht stickig wird. Als angenehm verzeichneten wir, dass nicht nur große Handtücher in unbegrenzter Anzahl, sondern an den kühleren Tagen auch kuschelige Wolldecken zur Verfügung gestellt wurden. Der Bodenbelag besteht aus rutschsicherem Kunststoff; es wird hier Teakholz imitiert, und das so hochwertig, dass man den Unterschied erst bei Nässe sieht.

Unser Lieblingsplatz an Bord der „Millennium“ befindet sich vor dem Riviera Pool: Das Aquaspa. Hierbei handelt es sich im Grundsatz um einen glasüberdachten zweiten Poolbereich (das Glasdach ist zwei Decks hoch und lässt sich nicht öffnen). Dieser Pool verfügt allerdings über integrierte Whirlpoolbereiche zu beiden Seiten des Beckens, die mit einer Liegefläche aus Chromstangen ausgestattet sind. Da dieser Pool außerdem auf einer Wassertemperatur gehalten wird, die die einer Badewanne noch übertrifft, ist dies der geeignetste Platz, um sich so richtig zurückzulegen und ganz tief zu entspannen. Zu beiden Seiten des Aquaspas sind noch jeweils ein seperater Whirlpool platziert. Der unmittelbare Bereich um Pool und Whirlpools ist mit echtem Teakholz ausgelegt, die weitere Umgebung beige und braun gefliest. Das Mobiliar besteht aus nicht verstellbaren, aber trotzdem bequemen und eleganten formschönen Deckchairs aus Teakholz. Die Wände sind ockerfarben gehalten, als Schmuck dienen eine mannshohe moderne Skulptur eines Kopfes (in meinen Augen sehr schön, diesen Kopf würde ich mir auch ohne weiteres ins Wohnzimmer stellen – vorausgesetzt natürlich, ich hätte ein 400 m² großes Wohnzimmer) und falsche Orangenbäume (wirken leicht angestaubt). Einen Schmuck hätte dieser Bereich aber eigentlich nicht nötig; Die Wärme des Teakholzes, das Blau des Wasser und die ausgewogenen Proportionen sind Schmuck genug, um sich hier richtig wohl zu fühlen.

Ein konstuktionstechnisches Detail muss noch erwähnt werden: Die Aufzüge mittschiffs. Sie bestehen aus Glas (haben ja heute viele Schiffe) und reichen von Deck 2 bis hoch auf Deck 11 (haben auch viele Schiffe). Allerdings sind sie nicht nebeneinander angeordnet, sondern in einem Bündel auf der Backbordseite der „Millennium“ in einem Glasturm untergebracht, so dass man beim Aufzugfahren einen spektakulären Ausblick auf die gesamte Länge des Schiffes und auf die See hat (zumindest von den beiden äußeren der vier Aufzüge). Ich räume hier offen ein, dass wir ab und an sogar Umwege in Kauf genommen haben, nur um mit diesen Liften zu fahren.

Unsere Kabine auf Deck 2 (außen mittschiffs) entsprach von der Größe her mit gut 15 m² dem Branchendurchschnitt und war auch so eingerichtet: Doppelbett, Schminktisch mit Stuhl, Sitzgruppe mit Sessel sowie – links und rechts der Tür – Bad und Schränke. Das Mobiliar war in hellem Holz furniert, die Wände aus passendem Holzimitat. Der Tagesbezug des Bettes sowie die Zierkissen in gedecktem bordeaux-rot passten farblich sehr gut, ebenso der Teppichboden in hellbraun (allerdings schon stark strapaziert). Insgesamt wirkte die Kabine sehr freundlich und einladend. Der Stauraum ist für zwei Personen auch für eine mehrwöchige Reise mehr als ausreichend, die Dusche zeichnete sich dadurch aus, dass sie nicht wie gewöhnlich halbrund, sondern rechteckig war und daher immer recht gute Chancen bestanden, der Umarmung des Duschvorhangs zu entgehen.
Erwähnenswert ist noch der Umstand, dass diese Kabine bis zu 5 (!) Personen beherbergen kann; neben zwei Pullman-Betten (während unserer Reise in die Decke eingeklappt) lässt auch der Sessel noch zu einem Bett umbauen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich nicht zu fünft in dieser Kabine wohnen möchte; dazu sind die Platzverhältnisse nun beim besten Willen zu beengt.
Die Schallisolierung war hervorragend, wir hörten von unseren Nachbarn gar nichts und vom Deck über uns nur selten leichte Geräusche. Am lautesten war das Treiben auf dem Gang zu vernehmen, was nicht verwundert, da die Unterkante der Tür mindestens drei Zentimeter Luft hatte.
Die Klimaanlage ließ sich gut regulieren und arbeitete einwand-, leider aber nicht zugfrei.
Der größte Schwachpunkt der Kabine war der Fernseher: Er ließ sich nur widerwillig ausschalten (zum Teil benötigte man mehr als ein Dutzend Versuche) und schaltete sich mitunter auch ungebeten mitten in der Nacht wieder ein – solange, bis wir es satt hatten und einfach den Stecker zogen.

Die hygienischen Bedingungen an Bord der Millennium sind im Großen und Ganzen branchenentsprechend gut. Geputzt wird eigentlich immer irgendwo, schmutzige Stellen waren weder in den öffentlichen Bereichen noch in unserer Kabine zu finden. An allen Retauranteingängen und Buffets stehen Spender mit Hand-Desinfektionsmitteln, wobei allerdings nicht kontrolliert wurde, ob die Gäste sie tatsächlich benutzten. Schwachpunkte waren allerdings die öffentlichen Toiletten und die oben beschriebenen Glasaufzüge.
Die öffentlichen Toiletten waren die einzigen Orte auf dem Schiff, die ich als herunterkommen bezeichnen würde; dicke schwarze Ränder in den Verfugungen der Fliesen und durchgerostete Wartungsklappen wirkten einfach ungepflegt. Die Reinigungsintervalle waren zu lang, die Reinigung außerdem viel zu lasch – anders ist es auch nicht erklärlich, dass ausgerechnet eine Toilette nebem einem der Restauranteingänge während der ganzen Reise den lieblichen und penetranten Geräuch nach Erbrochenem verbreitete. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden.
Die Reinigung der Aufzüge ist dagegen ein konstruktionsbedingtes Problem: Glasaufzüge lassen eben nicht nur den Blick nach draußen, sondern auch in den Aufzugschacht zu, wo es staubig ist und auch ab und an Schmierstoffe heruntertropfen können, wobei die Reinigung der Außenseite eines Aufzugs, der in einem engen Glasschacht steckt wie ein Kolben in einem Zylinder, eben nicht so einfach ist.

Die See-Eigenschaften der „Millennium“ können nicht vollständig überzeugen. Kurze Wellen (wie z.B. im Mittelmeer oder im Ärmelkanal), auch wenn sie etwas rauher sind, nimmt sie ungerührt und ohne sie an ihre Fahrgäste weiterzugeben. Lange Wellen wie auf dem Atlantik führen allerdings schon bei Wellenhöhen von weniger als zwei Metern zu erheblichem Rollen (nach meinen Schätzungen 2 – 3° nach jeder Seite – klingt wenig, ist aber schon deutlich spürbar). Und wenn es dann noch etwas rauher wird (wie in der Biskaya), dann wird die „Millennium“ richtig bockig: Heftig und unregelmäßig rollend und vor allem stampfend hat sie die unangenehme Angewohnheit, ständig ihr Heck rasant und steil in die Höhe zu heben, es dort sekundenlang zu halten, um es zuletzt – enttäuscht – wieder kurz in die See klatschen lassen. Da sich im Heck ja bekanntlich der Speisesaal befindet, sind natürlich entsprechende Auswirkungen vorgroprammiert. Meine Frau und ich werden zwar nicht seekrank, empfindlichere Mitreisende fühlten sich jedoch stark gestört.

Eine Besonderheit verdient noch besondere Aufmerksamkeit, und zwar der Antrieb. Die „Millennium“ verfügt über Mermaid-Pods, das heißt, ihre Elektro-Antriebsmotoren sind schwenkbar in Gondeln unter dem Rumpf aufgehängt. Der Strom wird nicht wie sonst üblich von einem Dieselmotor geliefert, sondern von einer Gasturbine. Die Mermaid-Pods gelten als sehr unzuverlässig und sorgten schon für so manchen außerplanmäßigen Werftaufenthalt; wenn sie aber funktionieren wie während unserer Reise, sind die Resultate aus der Komibnation mit der Gasturbine sensationell: Das Schiff fährt praktisch völlig lautlos und vibrationsfrei, und wenn man wie wir das Dieseln der Maschine erwartet, wirkt es im ersten Augenblick fast gespenstisch. Selbst in unserer Kabine in der Haifisch-Klasse waren bei voller Fahrt die lautesten Geräusche das Rauschen der Klimaanlage und das Zischen des Wassers an der Bordwand.

Die Verpflegung

Für das Frühstück und das Mittagessen bevorzugten meine Frau und ich das Buffet im Ocean Café und waren zunächst schon von der Präsentation begeistert. Obst-, Wurst- und Käseplatten waren stets liebevoll angerichtet, und zahlreiche Stewards sorgten dafür, dass dies auch so blieb - „verwüstete“ Platten wurden entweder sofort ausgetauscht oder neu gerichtet.

Die Auswahl zum Frühstück war sehr gut, neben verschiedenen Obstsorten gab es stets eine große Auswahl an Aufschnitt und Pasteten, Fisch (vor allem der Räucherlachs war sehr zart und delikat) sowie Eiergerichte aller Art, Würstchen, gebratenen Speck, Ceralien, Milchprodukte etc. Die Auswahl an Brot war eher auf den amerikanischen Geschmack ausgerichtet, aber trotzdem reichhaltig, und Gebäckteilchen rundeten das Angebot ab. Dies alles war nicht nur optisch, sondern auch vom Geschmack her von hervorragender Qualität, und mehr als einmal aßen wir bereits zum Frühstück mehr als wir eigentlich wollten. Den Kaffee würde ich als „genießbar“ bezeichnen (recht dünn, so wie ihn die Amerikaner mögen), auch hier hielten wir uns daher an den (Beutel-)Tee. Große Variationen im Frühstücksangebot gab es nicht, angesichts der reichen Auswahl war das aber aus meiner Sicht kein Nachteil: Man konnte ja selbst varieren.

Eine große Abwechslungsreichheit zeichnete dagegen das Buffetangebot zum Mittagessen aus. Neben einer täglich wechselnden Spezialitäten-Theke (wir haben einmal das italienische Buffet probiert, es war besser als bei den meisten Italienern) gab es meist vier Hauptgerichte (ein vegatisches, zwei Fleischgerichte, ein Fischgericht) sowie eine umfangreiche Auswahl an Gemüsen und vor allem Salaten; während der gesamten Reise wurde nicht eines der Gerichte zweimal angeboten. Von der Zubereitung und vom Geschmack her war alles hervorragend, ich habe nicht einmal etwas probiert, das nicht ausf seine Art köstlich geschmeckt hätte.

Den kulinarischen Höhepunkt des Tages bildete natürlich das Diner im Metropolitan Restaurant. Kreuzfahrtüblich wurden hier allabendlich Fünf-Gänge-Menüs geboten, die das Beste darstellten, was wir auf See je gegessen haben. Ganz egal, ob Fisch, Geflügel, Fleisch, egal ob Apetizer oder Entree, alles war schön angerichtet und schmeckte fantastisch. Spätestens hier gingen alle guten Vorsätze, sich beim Essen der Figur zuliebe zurückzuhalten, mit einem lauten Klatschen über Bord. Eine besondere Erwähnung verdienen übrigens die Desserts: Sie bestellte man nicht nach der Karte, sondern der Kellner brachte ein „Muster“-Tablett an den Tisch und erläuterte liebevoll das Angebot – ich hätte am liebsten alles probiert.

Abgerundet wurde das Tagesangebot noch von frisch gebackener Pizza (wer Lust hatte, konnte sich seine Pizza individuell zusammenstellen und backen lassen) die bis Mitternacht serviert wurde, einer Sushi-Bar (allein der Anblick war schon hinreißend), einem Grill mit den üblichen Fast-Food-Gerichten wie Hamburger, Pommes etc. und ab und an auch elegenten Fünf-Uhr-Tees. Erwähnen sollten man hier auch noch den Kabinen-Service: Rund um die Uhr verfügbar waren kostenfrei verschiedene kleinere Gerichte sowie auch gegen ein geringes Entgelt größere Speisen.

Eine besondere Erwähnung verdient auch das Gala-Mitternachts-Buffet am letzten formellen Abend: Im Metropolitan Restaurant aufgebaut war es von einer fast schon dekadent zu nennenden Opulenz, mit mehr als 20 (!) verschiedenen Eisskulpturen und einer verschwenderischen Auswahl an hingebungsvoll präsentierten kalten Platten und Desserts. Es war fast schon ein Verbrechen, es aufzuessen.

Hinzuzufügen ist noch, dass Getränke wie (Eis-)Wasser, Eistee, Fruchtsäfte, Fruchtpunsch, Limonade, Kaffee und Tee rund um die Uhr im Buffet kostenfrei aus entsprechenden Spendern erhältlich waren.

Insgesamt haben wir auf der „Millennium“ so gut und so hochwertig gegessen wie noch nie zuvor auf auf einem Schiff; allein die Verpflegung wäre für uns als Grund ausreichend, wieder mit mit Celebrity zu fahren.

Das Personal

Das Personal war wie auf den meisten Kreuzfahrtschiffen sehr international; die meisten Offiziere kamen aus Griechenland, das Führungspersonal des Hotel- und Restaurantbereichs war eine bunte Mischung aus verschiedenen europäischen Ländern, das Servicepersonal kam überwiegend aus Südostasien.
Was bei allen als erstes in Auge sprang, war die extrem gute Schulung und die hohe Professionalität. Jeder Griff saß, jeder wusste stets, was er zu tun hatte, es gab nie Unsicherheiten, und ich kann mich nicht erinnern, auch nur einmal einen Fehler gesehen zu haben. Diese Professionalität ging Hand in Hand mit ausgesprochener Freundlichkeit und meist auch mit einer echten und spontanen Herzlichkeit. Als Gast wurde man nicht nur vom Personal stets gegrüßt (hier schließe ich die – aus meiner Sicht zu Unrecht – als arrogant verschrieenen Offiziere ausdrücklich mit ein), sondern das Personal nahm auch auf einer persönlichen Ebene Anteil mit seinen Gästen. So habe ich z.B. bisher noch nie erlebt, dass nach einer Exkursion das Landausflugsbüro anruft, um sich zu erkundigen, ob der Ausflug gefallen habe – auf der „Millennium“ gehörte das dazu. Auch die internationale Hostess ließ es sich nicht nehmen, anzurufen und darauf aufmerksam zu machen, dass sie bei Problemen gerne zur Verfügung stehe.
Im Buffetrestaurant war es für die Kellner eine Selbstverständlichkeit, einem Gast das beladene Tablett abzunehmen und für ihn einen freien Tisch zu suchen, und auch Kaffee und Gebäck wurden am Tisch gereicht.
Und als der Assistent Maitre´d des Metropolitan von der Erkrankung meiner Frau erfuhr, ließ er sich nur mit Mühe und mit dem Hinweis, dass sie die Salzcracker- und Trocken-Toast-Phase noch nicht überwunden habe, von dem Vorhaben abbringen, ihr einen Hummer auf der Kabine servieren zu lassen.
Diese Liste von Beispielen lässt sich beliebig fortsetzen; ganz egal, ob Service, Rezeption oder medizinisches Personal – man fühlte sich bei allen stets gut aufgehoben, und das Wort „Sonderwunsch“ war einfach unbekannt. Neben der Verpflegung ist damit das Personal der „Millennium“ mit seiner absoluten Dienstleistungsorientierung ein weiterer dicker, dicker Pluspunkt für das Schiff.

Das Publikum

Die „Millennium“ wird vorrangig auf dem amerikanischen Markt angeboten, und so war es keine Überraschung, dass der größte Teil der Gäste aus englisch-sprachigen Ländern kam, nämlich natürlich aus den USA, Kanada, Großbritannien und Australien. Die zweitgrößte Gruppe stellten aber zu unserer Überraschung mit fast 200 Gästen die Japaner; da unter den US-Amerikanern auch viele Kalifornier japanischer Abstammung waren, war das Bild der Gäste auf der „Millennium“ recht asiatisch geprägt. Weitere Nationen (insgesamt waren Gäste aus 56 Nationen an Bord) waren nur mit geringen Teilnehmerzahlen vertreten, auf weitere deutsche Gäste stießen wir während der gesamten Reise nur zweimal, die Gesamtzahl dürfte daher im unteren zweistelligen Bereich gelegen haben.
Ein deutscher Tisch im Speisesaal kam damit nicht zustande, was uns aber nicht störte; wir lernten dadurch ein nettes und interessantes Anwalts-Ehepaar aus Dallas kennen.
Die Durchsagen wie auch die Landausflüge wurden überwiegend nur auf englisch durchgeführt; auch das Tagesprogramm war nicht auf Deutsch verfügbar, dafür gab es aber eine tägliche Zusammenfassung der wichtigsten Nachrichten in deutscher Sprache.
Das Niveau der Gäste war im allgemeinen angenehm gehoben, grobe Drängeleien oder andere Ungehörigkeiten bildeten die absolute Ausnahme. Lediglich die Tischmanieren der Japaner waren etwas gewöhnungsbedürftig – aber wie es so schön heißt: Andere Länder, andere Sitten.

Die Unterhaltung

Die Unterhaltung ist der dritte Bereich, in dem man Celebrity Spitzenleistungen bescheinigen kann. Das Tagesprogramm war überwältigend vielfältig (wenngleich wiederum auf amerikanischen Geschmack abgestimmt) und beinhaltete neben den üblichen Ratespielen auch sehr gehobene Angebote wie Lesungen zu den Anlaufhäfen und -ländern sowie zu tagesaktuellen Problemen und auch Wein- und Sektproben (wir nahmen an einer Weinprobe teil; sie füllte einen Nachmittag, und wir konnten für nur 10 $ unter fachkundiger Anleitung eine wirklich gute Auswahl an französichen und kalifornischen Weiß- und Rotweinen und einen hervorragenden kalifornischen Sekt verkosten). Aufdringliche Animation gab es nicht, dafür wurde in den Lounges und Bars und bei passendem Wetter auch am Riviera-Pool gute Live-Musik geboten.
Umwerfend war die Abendunterhaltung im Celebrity Theater. Neben sehr guten Gastkünstlern (vor allem Sängern und Kabarettisten) verfügt die „Millennium“ mit den Celebrity Singers & Dancers über Künster für ihre Eigenproduktionen, die nicht wie auf vielen anderen Schiffen Teilzeit- bzw. Laien-Tänzer sind; sie sind Profis. Und das sieht man. Ihre Leistungen waren stets hervorragend, die Choreographie der Shows war ausgezeichnet, und da das Schiff über ein kleines, aber sehr gutes Orchester verfügt, auch sehr lebendig und mitreißend, und das, was Celebrity so an einem einzigen Abend bot, muss bei Costa oder MSC für eine ganze Kreuzfahrt reichen.
Als Alternative zu den Shows bot die „Millennium“ an jedem Abend auch einen (recht neuen) Film im Bordkino; genutzt haben wir dieses Angebot aber nicht.
Einziger Schwachpunkt der Unterhaltung war das Bordfernsehen: Keinerlei europäische Kanäle, ausschließlich auf (schlechten) amerikanischen Geschmack abgestimmt. Bedauerlicherweise gab es auch keine Informationen zum Wetter oder zu den Reisedaten des Schiffs. Das Problem löste sich aber von allein mit dem Ziehen des Steckers. Bei alledem blieb man flexibel für Gästewünsche: Unser Kellner organisierte bei seinem Assistent Maitre´d auf den vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame sogar eine Küchenbesichtigung, der sich dann noch weitere Gäste anschlossen. Wer hier einen schnellen Blick in die Küche erwartete, wurde angenehm überrascht: Der Assistent Maitre`d, der uns führte, machte dies sehr ausführlich mit umfassenden und guten Erklärungen. Und typisch für Celebrity war auch, dass wir trotz der kurzfristigen Improvisation am Fuß der Rolltreppe am Kücheneingang von einem Steward mit einem Tablett mit Champagner begrüßt wurden.

Die Nebenkosten

Einer der größten Posten war – wie fast immer – das Trinkgeld. Erwartet werden 10,50 $ pro Tag und Person, die angesichts der Spitzenleistungen des Personals als günstig angesehen werden müssen – wir haben daher auch mehr gegeben.
Hinsichtlich der Zahlungsart eiert Celebrity allerdings unschön herum: Vorgeschlagen wird zunächst, die Vorzüge der Abbuchung vom Bordkonto zu nutzen, und es wird ein Vordruck geliefert, der Celebrity zur Abbuchung bevollmächtigt. Wer diesen Vordruck aber nicht abgibt, erhält einige Tage später ein zweites Schreiben, dass nochmals die Vorzüge der Abbuchung anpreist und angekündigt, dass die automatische Abbuchung auch ohne Vollmacht erfolgt, es sei denn, man gibt ein zweites Formular ab, in dem man ausdrücklich die Abbuchung untersagt. Kein sehr elegantes Verfahren, liebe Celebrity-Leute! Erst wenn man dieses Formular einreicht, erhält man die Umschläge zur persönlichen Verteilung an das Personal.

Die Getränkepreise liegen auf unterem Gastronomie-Niveau. Ein Softdrink wie Cola schlug mit 2 $ zu Buche, Cocktails waren von 4,50 $ - 9 $ erhältlich. Weine, Sekt und Champagner begannen bei ca. 20 $ die Flasche, nach oben hin natürlich fast ungegrenzt, der teuerste Wein kostete an Bord 12500 $ pro Flasche – jeweils zuzüglich 15% Trinkgeld.

Die Landausflüge lagen mit Preisen zwischen 35 und 65 $ für einen Halbtagesausflug im branchenüblichen Rahmen; angesichts der erbrachten Leistungen betrachten wir diese Preise als angemessen. Beachten sollte man, dass die Ausflüge bequem per Internet schon lange vor der Reise gebucht werden können; allerdings erfolgt dann bereits unmittelbar nach der Buchung die Belastung der verwendeten Kreditkarte, ein Verfahren, dass ich etwas seltsam finde. Die Gebühren für die Shuttle-Busse lagen zwischen kostenfrei und 10 $; diese Preise waren Tagespreise, man konnte also den Bus beliebig häufig benutzen.

Güstig waren in unseren Augen die Wäschereipreise. Ein Hemd kostete ca. 3 $, eine Hose 3,50 $, selbst die Reinigung eines Kleides oder eines kompetten Anzugs war nicht teuerer als ca. 7 – 8 $.

Die Preise für Fotografien waren recht weit gestaffelt und lagen je nach Format und Anlass zwischen 10 und 20 $, was sich ebenfalls eher am unteren Rand des Branchendurchschnitts bewegt.

Postkarten mit dem Motiv des Schiffes waren kostenfrei erhältlich; das Aufgeben einer Postkarte an Bord wurde mit -,86 $ verrechnet, war also teilweise billiger, als wenn man sie an Land aufgegeben hätte.

Das Fazit

Wir verbrachten eine ausgesprochen schöne, luxuriöse und – trotz der gesundheitlichen Probleme – erholsame Reise auf einem eleganten und großzügen Schiff.
Wir wurden mit hervorragender Küche von absolut perfektem Personal richtiggehend verwöhnt, genossen eine Spitzenunterhaltung und sahen auf einer abwechslungsreichen Route interessante Häfen. Eine Einstufung der „Millennium“ im guten Vier-Sterne-plus- bis knappen Fünf-Sterne-Bereich ist gerechtfertigt, und bei Beseitung der kleinen Mängel im Detail erscheint auch eine glatte Fünf-Sterne-Bewertung erreichbar.
Diese Reise war damit unsere bis jetzt beste Kreuzfahrt, und wir werden mit Sicherheit auch wieder mit Celebrity reisen; die „Millennium“ können wir eigentlich fast jedem empfehlen, der genug Englisch-Kenntnisse mitbringt.

© Stefan Schöner, Mai 2007
fam-schoener@freenet.de

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