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Unabhängige Bewertungen und Reiseberichte zum Thema Kreuzfahrten direkt aus 1. Hand.

 

Orinoco Delta - wo Gott sich niemals blicken läßt


Von Monty (männlich)
Alter: 52
Detailbild Schiff AIDAvita
Quelle: Quelle: Christine Rohlfing
SchiffAIDAvita
Bericht vom19.12.2004
Reise vom19.12.2004
Dauer14 TAGE
RouteIsla Margarita

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REISEBERICHT IM DETAIL


Diesen Kurzbericht schreibe ich aus der Erinnerung, fast zwei Jahre nach unserer Karibik-Tour.

Er handelt nur von einem einzigen Ausflug, der allerdings so intensiv war, dass ich ihn auch nach dieser langen Zeit nicht vergessen kann. Er ist sehr emotional und fast schon philosophisch. Wer sowas nicht mag, ist hiermit gewarnt. ;o)

Wo Gott sich niemals blicken läßt und trotzdem zu Hause ist

Auf unserer 14-tägigen Karibik-Tour im Dezember 2004, die übrigens einfach nur traumhaft schön war, entschieden wir uns auf der Isla Margarita für den Ausflug zum Orinoco-Delta. Die meisten anderen Anlaufpunkte haben wir auf eigene Faust erkundet, was in der Karibik ziemlich gut und günstig zu machen ist. Auf der Perleninsel (lat. margarita = Perle), sollte es dann aber ein geführter Ausflug werden. Den Preis für diesen Ausflug möchte ich an dieser Stelle lieber nicht nennen, aber die Einmaligkeit des Erlebten rechtfertigt die Summe letztlich.

Der Flug

Es ging vom Flughafen der Insel - mit einer kleinen LET (ca. 15 Passagiere), die noch aus der Gründungszeit von LET (1936) zu stammen schien - Richtung Orinoco-Delta. Der Flug dauerte so zwischen 1 - 1.5 Stunden. In relativ geringer Höhe fliegend, konnte man sehr gut sehen - und so verging die Zeit wie im Fluge(?). Die Geräuschkulisse dieses Flugzeuges war wahnsinn. Es dröhnte selbst nach der Landung noch einige Zeit in den Ohren, als wenn man ein ACDC-Konzert mit den Horchlöffeln direkt an den Boxen hinter sich hätte.

Als wir dann heil auf den Flugplatz(?) direkt am Orinoco-Delta landeten, waren wir schon irgendwie erleichtert. Was uns stutzig machte, war die Tatsache, dass nach der Landung zwei Bedienstete des Flughafens(?) mit sorgenvoller Miene auf ein rauchendes Rad (evtl. die Bremse) der LET schauten und die Köpfe schüttelten. Wir haben nie herausgefunden, was da los war. Beunruhigt waren wir dann schon, da wir mit der Mühle ja noch zurück wollten.

Ab auf das Boot

Nach einem kurzen Fussmarsch erreichten wir endlich den Orinoco. Ein Boot mit drei sehr freundlichen einheimischen Besatzungsmitgliedern wartet dort auf uns. An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir natürlich auch noch eine örtliche Reiseleiterin zur Seite gestellt bekommen haben. Eine äußerst freundliche und kompetente Frau, die die deutsche Sprache besser beherrschte als so mancher Jugendliche heutzutage.

Mit Rettungswesten ausgestattet ging es dann auf auf dem Orinoco hinein in das Unbekannte. Mehrere Stunden fuhren wir auf einem Fluss, der seine Farbe ständig wechselte. Von Milchcafe, über Bernstein bis hin zu einem süßen Getränk mit Coffein - welches ich hier aus rehtlichen Gründen nicht nennen möchte. Wir befuhren schmale Nebenarme, in denen recht langsam gefahren werden musste, damit sich Pflanzen und Wurzeln unter der Wasseroberfläche nicht in der Schraube verfangen - und breitere Stellen, wo das Boot und die Besatzung mal zeigten was sie drauf haben.

Wir waren auf dem Weg zu einem kleinen Dorf mitten im Delta. Danach sollte es dann zu einem "Camp Charlie" gehen. Aber alles der Reihe nach.

Auf dem Weg zu den genannten Stationen gab es viel für die Augen, die Nase und die Ohren. Riesige blaue Schmetterlinge, größer als eine durchschnittliche männliche Hand, bunte Vögel und jede menge nie gesehener Planzen. Ein Farbengewitter und ein Angriff auf die Riechzellen nie gekannten Ausmaßes. Auf einem etwas langsameren Abschnitt wurde die Besatzung plötzlich hekisch. Es wurde gerufen und gezeigt. Wir konnten nicht recht verstehen, was da los war. Das Boot wurde langsam in Richtung der Mangroven gelenkt. Ich saß weit vorne im Boot und musste mich langsam ducken. Brachte aber nichts. Die Zweige der Büsche und Sträucher drückten mich immer weiter in das Boot. Tausend Möglichkeiten gingen mir durch den Kopf, was für Tiere es sich nun in meinem Resthaar gemütlich machen würden. Ich sah mich würmer und anderes Getier aus dem Haupthaar schütteln und versuchte mich instinktiv kleiner zu machen. Dann klärte uns die Reiseleiterin endlich auf. Die Besatzung hatte eine Schlange entdeckt. Ich hörte die Reiseleiterin noch etwas von:

Ahh, eine giftige Mamba..."

...oder so faseln und entdeckte mich plötzlich zwei Meter weiter hinten im Boot. Wie war ich hier hin gekommen?

Es war natürlich keine giftige Mamba, sondern "nur" eine ungiftge Baumschlange. Trotzdem verhielt ich mich sehr ruhig, angesichts der Zähne, die uns die Schlange dann auch noch zeigte, nachdem die Besatzung sie vom Baum geholt hatte.

Nach dieser kleinen Aufregung und nachdem alle beeindruckt die Schlange angefasst hatten, die noch schnell einen Haufen auf das Bott machte, setzten wir unsere Fahrt fort. Auf einigen Abschnitten der Fahrt, wo das Wass fast schwarz und ruhig vor uns lag und wir aus bekannten Gründen langsamer fahren mussten, spiegelte sich die Welt um uns im Wasser derart, dass man bei ungenauem Hinsehen nicht sagen konnte, wo oben und unten ist. Die Bäume und Mangroven bildeten eine grünen Baldachin. Wir fuhren wie durch einen Pflanzentunnel, in dem Raum und Zeit keine Rolle zu spielen scheinen.

Das Dorf

Wir erreichten dann das Dorf mitten im Urwald. Die Bewohner begrüßten uns herzlich. Ich war etwas erstaunt, wie klein die dort alle waren. Ich selbst nicht sonderlich mit körperlicher Größe ausgestattet (172 cm) - überragte plötzlich alle um etliche Zentimeter.

Etwas bedrückend für uns war die extreme Ärmlichkeit dort. Nicht, dass man das Gefühl hatte, dass es den Menschen dort extrem schlecht geht, zumindest wirkte keiner der Bewohner wirklich unglücklich, aber doch bedrückend arm und einfach. Wie wenig der Mensch letztlich scheinbar braucht!? Aber das relativiert sich dann sehr schnell...

An dieser Stelle kommt für mich der traurigste Teil des "Ausflugs". In der Ausflugsbeschreibung stand, dass man den Kindern dort ruhig etwas mitbringen soll. Keine Nahrungsmittel, bzw. keine Süßigkeiten, aber gerne T-shirts, Stifte, Kugelschreiber oder ähnliche Dinge. Einige hatten AIDA-Trinkflaschen dabei, die sie den Kindern dort schenkten. Was mich dann aber umgehauen hat, war die Tatsache, dass die Menschen dort ihren Kindern bis zum dritten Lebensjahr keine Namen geben. Warum nicht?

Die Kindersterblichkeit ist dort so hoch, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass die Kinder dort das dritte Lebensjahr erreichen. Heftig! Ich kämpfte mit meinen Gefühlen. Vor mir saß ein Kleinkind, nicht älter als ein Jahr, sah mich mit seinen großen braunen Augen an, nuckelte an der leeren AIDA-Flasche - und ich wusste, dass es die nächsten zwei Jahre eher nicht überleben würde. In mir wuchs Unruhe und ich konnte meine Gefühle nicht einordnen. Am liebsten hätte ich mir das Kind unter den Arm geklemmt und hätte es mitgenommen nach Hause. In die Sicherheit...

Heute sind fast zwei Jahre um. Ich frage mich, jetzt - da ich diesen Bericht schreibe - lebt dieses kleine Wesen noch? Hätte ich etwas ändern können? Kann man überhaupt etwas ändern? Soll man etwas ändern oder helfen?

Es ist schwierig mit dieser Ausflugsbeschreibung fortzufahren.

Angesichts der Erinnerung, der großen braunen Augen, die mich vom Bild anschauen - und der Möglichkeit, dass dieses Kind noch immer keinen Namen hat, wage ich kaum noch die schönen und lustigen Dinge, die wir zweifelsfrei noch erlebt haben, zu beschreiben. Aber die Tour ging natürlich weiter und ich kann im Jetzt und Hier nichts ändern. Also versuche ich die Kurve zu kriegen und beschreibe den Rest der Tour.

Camp Charlie

Von dem Dorf ging es in Richtung "Camp Charlie". Das Camp Charlie ist ein Camp mitten im Urwald. Dort können einzelne Reisende und Gruppen Station machen. Egal, ob Sie den Orinoco auf eigene Faust erkunden - oder ob Sie mir der AIDA einen Ausflug machen. Dort können Sie übernachten, Rast machen, etwas essen oder trinken - und auf Toilette gehen. Toilette? Ja, Sie haben richtig gelesen. Dort - mitten im Urwald - gibt es eine echte Toilette mit Spülung und allem drum und dran. Hinter einer vergammelten Holztür - in einer noch vergammelteren Hütte - ist ein echtes Klo. Faszinierend!?

Im Camp gab es dann Essen und Trinken. Anfangs hatten wir so unsere Zweifel, was das Essen anging. Aber es war ALLES bestens. Es gab frisches Brot, Salat mit Thunfisch und einige andere schmackhafte Dinge, die man unbesorgt essen konnte. Es gab dann allerhand Getränke. Am besten ging Wohl Cola-Rum. *g*

Im Camp haben wir uns dann alle nochmals eine Extraportion Autan gegönnt. Die Malariamücke kommt zwar immer erst am Nachmittag oder abends raus, wir wollten aber kein Risiko eingehen. Wenngleich das Risiko wirklich sehr gering ist.

Der Hunger und der Durst waren gestillt. Nun ging es mit zwei Booten (Kanus?) vom Camp in einen sehr ruhigen Nebenarm. Im einen Boot paddelte einer der Besatzung unsere Hauptbootes, im anderen Kanu durfte ich paddeln. Ich hab mich nicht darum gerissen, aber irgendwie wollte sich kein anderer körperlich betätigen. Die Kanus - ich weiß leider noch immer nicht wie man die Dinger nennt - waren komische Teile. Das Wasse reichte fast bis an den Rand des Kanus. Ich vertraute den Dingern nicht wirklich. Es saßen alle hintereinander. Und wenn einer im Bott husten musste oder sich etwas zu stark bewegte, hatten wir das Gefühl, dass das Bott gleich die Grätsche macht und wir alle im dunklen Wasser liegen. Angesichts der unbekannten Tierwelt unter der Wsseroberfläche kein schöner Gedanke. Letztlich ging alles gut.

Wir erreichten einen noch kleineren und ganz ruhigen Nebenarm. Hier entspringt auch der Titel meines Berichtes. Die absolute Stille dort, das Wasser und seine Spiegelungen, die Erinnerungen an das kleine Kind im Dorf. Eine Geschichte, die uns die Reiseleiterin auf dieser Kanutour (sehr mystisch) erzählte, beeindruckten mich. Und ich hatte das Gefühl, dass - wenn es einen Ort gibt, den Gott niemals besucht - dann ist es dieser hier. Und wenn es einen Ort gibt, an dem Gott zu Hause ist - dann ist es dieser Hier. Ich kann diese Gedanken weder erklären noch deuten. Ich weiß nur, dass es meine Gefühle - auch nach fast zwei Jahren - am besten beschreibt. Ich weiß um den Widerspruch dieser Gedanken und es gibt eigentlich keine Worte das ALLES zu beschreiben. Evtl treffe ich ja mal auf jemanden, der die gleiche Tour gemacht hat - und der bessere Worte für das Erlebte hat. Bis dahin muss dies reichen...

Die Rückfahrt und der Rückflug waren dann relativ unspektkulär. Wir waren geschafft von den Eindrücken, dem Klima und es war ja auch schon sehr spät. Der Rückflug ging dann - trotz der rauchenden Räder - problemlos über die Bühne. Kurz vor knapp waren wir dann zurück und mussten auch fix zurück auf die AIDA.

Wer die Chance auf eine solche Tour hat, sollte sie nutzen. Ich kenne jedenfalls keinen, der nicht restlos begeistert war. Okay, wir waren nur 15 Leute - aber die waren hin und weg...

Es grüßt Ihr und euer

Hansjürgen

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