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Unabhängige Bewertungen und Reiseberichte zum Thema Kreuzfahrten direkt aus 1. Hand.

 

Vom Amazonas in die Karibik


Von Morris (männlich)
Alter: 55
Detailbild Schiff AIDAvita
Quelle: Quelle: Christine Rohlfing
SchiffAIDAvita
Bericht vom26.11.2010
Reise vom30.10.2010
Dauer15 TAGE
RouteManaus-Santarem-Belem-Ile Royale-PortofSpain-Bridgetown-Roseau-Philipsburg-LaRomana

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REISEBERICHT IM DETAIL


AIDAvita – Amazonas / Karibik  – 30.10. bis 13.11.2010

Auf zum Amazonas! Schon als die Reise gerade ausgeschrieben war, war uns klar: Da wollen wir hin. Ein Fluss so breit wie ein Meer, Dschungel bis zum Horizont, außerdem Piranhas, Caipirinhas, rosa Delfine und knappe Bikinis. Also, los geht’s, auf zum Amazonas!

Anreise
Das Einchecken in Düsseldorf erfolgte für uns völlig entspannt, es sind genügend Schalter offen, aber Air Berlin wog auch äußerst penibel alle Koffer. Zusammenveranlagung gab‘s nicht, wir sind schließlich nicht beim Finanzamt, und so musste manch anderer Koffer wieder geöffnet werden, und es wanderten Schuhe und Schlüpper von hier nach dort, um aus einmal 19 und einmal 21 Kilogramm die vorgeschriebenen 20 kg je Koffer zu machen. Wir haben seit Neuestem eine Kofferwaage, die hat sich schon nach dieser einen Reise bewährt. Wer öfter unterwegs ist, sollte sich die Air-Berlin-Karte zulegen, kostet zwar 59 Euro, gestattet aber dem Inhaber einen Koffer mit 30 kg Gewicht mitzunehmen.

Nach 10 Stunden in der Airbus Sardinendose landeten wir in Punta Cana. Es ist 1:30 Uhr Ortszeit, und wir hatten die schlimmsten Befürchtungen wegen des Flughafens. Nichts los, alles zu, Langeweile programmiert. Das Gegenteil war der Fall. Die Wartebereiche waren voll, der Duty-Free-Shop geöffnet, und auch kalte Getränke waren zu haben. Zum Duty Free ist zu sagen, dass es keinen Bordverkauf gab, da die Brasilianer eine Einfuhr von Duty Free Produkten nicht gestatten. Wie ernst das genommen wird kann ich nicht sagen, denn es erfolgte bei der Einreise in Manaus keinerlei Kontrolle.

Zwischen Terminal 1 und Terminal 2 gibt es einen Bereich in dem stehen Bistrotische. Man kann selbst Mitgebrachtes verzehren, oder das teure Présidente erwerben, je nach Geschmack. Der Punta Cana International Airport ruft einen besonderen Touristik-Nacht-Preis auf: Das Döschen Présidente kostet 5 Dollar 50 Cent!

Die Toiletten sind sauberer, als das zu erwarten war, und die Freunde der Dauerdesinfektion finden hier sogar einen Spender mit Desinfektionsmittel. Wir  verplauderten 4 Stunden Wartezeit mit netten Mitreisenden, denn obwohl wir die erste Maschine waren, die reinkam, ging unser Flieger als letzter wieder raus. Wir trafen noch Freunde aus der Frankfurter Maschine, und dann ging es auch schon weiter nach Manaus.

Air Berlin servierte uns erneut ein Frühstück (das erste hatten wir kurz vor der Landung in Punta Cana), und der Herr Flugbegleiter fragte mich, ob ich etwas Warmes dazu haben möchte. Ich rätsele noch heute, ob das ein Antrag war, oder ob er die warme dunkle Flüssigkeit meinte, die AB als Kaffee bezeichnet.

Der Blick von oben auf den endlosen Dschungel Brasiliens war sehr beeindruckend. Grün soweit das Auge reicht, ein scheinbar unendliches Meer von Bäumen. Dort hindurch mäandern Flüsse, ohne Dämme, ohne Begrenzung, es folgt eine Kurve der nächsten. Kein Fluss ist gerade, eine Reise darauf erfolgt sicherlich über mindestens die doppelte Strecke wie auf einer geraden Straße. Ein mühsames Geschäft muss das sein, aber zu manchem Ort führt kein anderer als der Wasserweg. Die Flüsse werden breiter, werden zu Strömen, und wir rätseln, was wir da wohl von oben sehen: Den Rio Negro, den Rio Solimoes, oder gar schon den Amazonas? Aufregung und Anspannung steigen. Klar erkennbar ist, dass die Flüsse wenig Wasser führen. Von der Trockenheit im Amazonasgebiet hatten wir gelesen, nun wurde das Ausmaß sichtbar.

In Manaus dauerte es ein wenig, bis unser Gepäck kam, man war einen solchen Ansturm an Fliegern und Gästen wohl nicht gewohnt. Dafür fanden dann weder eine Gepäck- noch eine Passkontrolle statt. Wir mussten nur eine von zwei Einreisekarten abgeben, die wir im Flugzeug ausgefüllt hatten. Welche weiß ich nicht mehr. Kontrolliert wurde diese Karte nicht. Da hatten wir über das ein oder andere Feld gerätselt, was gehört da wohl richtigerweise hinein, wie füllt man das aus? Egal, keinen hat es interessiert, Karte abgeben, und das war’s auch schon.

Der Bustransfer zum Hafen führte durch die halbe Stadt und dauerte 30 Minuten.  Einbahnstraßen erforderten Umwege, aber so bekamen wir schon mal einen Eindruck. Das Einchecken aufs Schiff verlief ohne große Wartezeit, obwohl die Gelbfieberimpfnachweise eingesammelt wurden.

Gelbfieberimpfung
Die Impfausweise wurden eingesammelt, ebenso Bescheinigungen  über Impfunverträglichkeiten und Ähnliches. Wer keinen Impfnachweis hatte, musste unterschreiben, dass er akzeptiert, dass möglicherweise die Einreise in dem einen oder anderen Land verweigert wird, und dass er gegebenenfalls die Heimreise auf eigene Kosten antreten muss, wenn es Probleme mit örtlichen Behörden geben sollte. Ein älteres Ehepaar wies stolz die Impfausweise vor, man hatte sich im Reisebüro eine perfekte Beratung geholt – und sich gegen Gelbsucht impfen lassen. Volltreffer, sag ich. Aber egal, Probleme gab es keine, alle Personen konnten in alle Länder einreisen, ob nun mit Impfung oder ohne.

Manaus, 30.10.
An der Reling stehend, ein Getränk in der Hand, Blick auf Manaus, sagte der Doktorfisch zu mir: „Jetzt haben wir’s geschafft, jetzt sind wir am Arsch der Welt“. Rüdiger Hoffmann würde es weniger drastisch sagen: „Manaus kann man sich anschauen, muss man aber nicht.“ Wir haben es uns jedenfalls angeschaut, wenn auch nur ein bisschen. Nachdem wir gegen 14 Uhr unsere Kabinen beziehen konnten um uns ein wenig frisch zumachen, machten wir uns auf den Weg in die Stadt, das Téatro Amazonas war unser Ziel, die berühmte Oper von Manaus. Der Weg dorthin ist ganz einfach, stimmt aber nicht mit der Hafeninfo überein. Druckt Euch lieber Google-Maps aus, da ist das Téatro richtig eingezeichnet und  leicht zu finden.

Unterwegs kamen wir an unzähligen Ständen vorbei, hier gab es einfach alles, vom Handy bis zur Dauerwurst. Angenehm war, dass man nicht aggressiv angesprochen wurde, wie das in manch anderem Land der Fall gewesen wäre. Die Situation war vergleichbar mit Asien, wo ja auch Stand an Stand steht, und wo man auch in Ruhe schauen kann. Allerdings habe ich mich in Asien irgendwie wohler gefühlt, irgendwie besser aufgehoben als in Manaus. Aber das ging mir in Mittel- oder Südamerika oft so. Irgendwie ist die Stimmung dort anders. Trotzdem begegneten uns die Menschen freundlich und friedlich, nicht das jetzt ein völlig falscher Eindruck entsteht.

Das Téatro kann man nur im Rahmen einer Führung besichtigen. Diese dauert ca. 35 Minuten und kostet 10 BRL oder 10 USD, je nachdem welche Währung ihr gerade habt. Die Führung ist ein Muss. Dieses Theater ist beeindruckend. Die Gestaltung und die verwendeten Materialen zeigen in jedem Raum, dass Geld hier damals keine Rolle gespielt hat. Mehr als das Téatro haben wir aber nicht gesehen, wir sind von dort aus zum Schiff zurück. Die Museen „Museu do Indio“ und „Amazonico“ interessierten uns nicht, mit dem Téatro Amazonas war Manaus für uns abgehakt. Mancher mag es morbiden Charme nennen, wenn aus den Mauerritzen Pflanzen sprießen, und die hohe Luftfeuchtigkeit Schimmelpilze wachsen lässt. Ich nenne es Verfall. Dazwischen bewegt sich Manaus, zwischen kolonialem Charme und Verfall.

Am Abend gab es eine kleine Poolparty, es war aber nicht wirklich was los. Die Gäste waren einfach zu erschöpft von der langen Anreise.

Manaus, 31.10.
Wir nutzen den zweiten Tag in Manaus als entspannenden Seetag. Koffer auspacken, Kabine einrichten, im Schatten dösen und sich von der Anreise erholen, danach stand uns der Sinn. Einige abenteuerlustige  hatten einen Ausflug gebucht, MAO07, Überlebenstraining im Dschungel. Da das Feedback insgesamt positiv war, werde ich davon berichten. Der Ausflug geht direkt vom Schiff ab und per Schnellboot zum Dschungel. Dort zeigen einige taffe Jungs (Ex-Militärs?) den Städtern, wie man Fallen baut, wie man Feuer macht und wie man auf Bäume klettert. Das Material für all das findet man im Dschungel, und unbedingt notwendig ist eine Machete.

Es wurde allerdings nicht gezeigt, was man machen muss, wenn man etwas in der Falle gefangen hat. Töten, Ausnehmen und Abhäuten stand nicht auf dem Programm (Schade, DEN Bericht hätte ich gerne gehört). Dazu gehört bestimmt auch eine Machete, oder wenigstens ein Schweizer Messer.

Ich traf heute auf dem Pooldeck einen der Gastkünstler dieser Reise, Rafael de Alcala. Er stolzierte über das Pooldeck wie ein Pfau, es fehlten bloß die Federn. Wir fragten uns, wer dieser Mensch wohl ist, und irgendwie kam das Gerücht auf, er habe früher bei den Gypsy Kings gespielt. (Hat er nicht, aber so ein Nimbus kann ja durchaus förderlich sein.)

Natürlich fand heute auch die Sailaway-Party statt, als Halloween-Party. Wir hatten Masken mit, die zwar schön aussahen, aber unter denen es bei den dortigen Temperaturen auch ganz schnall warm und feucht wurde. Was macht der gewiefte Pax, wenn ihm zu heiß ist? Richtig. Schuhe aus, Gürtel weg und rein in den Pool. Wir feierten also im Pool weiter, den wir aber freiwillig verließen, ehe der SecO auftauchen konnte, wie seinerzeit auf der Aura. Nach dem Trockenlegen feierten wir  in der Anytime weiter, bis nichts mehr ging, ein gelungener Einstand eben.

Heute Abend hatte auch Lord Patrick – der musikalische Leiter Patrick James O’Connell - den ersten seiner Auftritte. Patrick schlüpfte in die Rolle eines Vampires, und den gab der den ganzen Abend lang recht überzeugend. Patrick war die ganze Reise über sehr gut drauf, und damit ein dicker Pluspunkt für das Entertainment. Er war sich für nichts zu schade, und immer mit großem Engagement voll und ganz bei der Sache.

DJ Rudi
Über den DJ hatten wir von Gästen der vorherigen Reise gehört, und was uns zu Ohren kam, war wenig positiv. Da der DJ aber ein nicht unerheblicher Faktor für das Gelingen einer Party ist, schwante uns nichts Gutes. Soweit die Theorie. Für mich hat Rudi einen guten Job gemacht, auch wenn er bei unserer Reise hin und wieder in die Kritik kam. Man muss unterscheiden zwischen „gefällt MIR nicht“ und „der DJ kann nichts“. Es gab keine immer gleichen Musikfolgen auf der Poolparty (ein oft gehörter Vorwurf) und Mottos wurden m.E. eingehalten. Mir gefiel die Musik zur Schlagerparty nicht, aber 300 anderen gefiel sie so gut, dass bis weit nach 1 Uhr auf dem Pooldeck getanzt wurde, da kann man nur sagen: Alles richtig gemacht.  Ich würde jederzeit gerne wieder mit Rudi als DJ fahren.

1.Seetag, Amazonas, 01.11.
Heute zwingen wir uns aus dem Bett, denn es ist SNRÜ. Nach der Übung und nach einem Stützradler geht Schatzi wieder schlafen, und ich mach, was man an einem Seetag so macht: Nichts. Gegen Mittag gibt es einen Vortrag des Lektors Klaus Kiesewetter über die Lautsprecheranlage von der Brücke, daher gibt es kein Entkommen. Diese Zwangsvorträge sind verbale Körperverletzung, keine Ahnung, was man sich dabei gedacht hat. Langatmig, langweilig und mit überlangen überflüssigen Pausen. Ein neuer „Absatz“ beginnt außerdem immer mit dem üblichen Ding-Dong.

Vor allem war das völlig unnötig. Wen ein Thema interessierte, der konnte die Vorträge von Herrn Kiesewetter im Theater hören, er zeigte dort auch Bilder und Filme. Das Feedback für diese Vorträge war sehr positiv. Ich habe selber keinen erlebt, aber berichtet wurde nur Gutes. Warum also diese Zwangsbeschallung?

Der Tag endete heute früh, denn es galt, Schlaf nachzuholen und Kräfte zu sammeln für die Radtour in Santarém am nächsten Tag.

Santarém, 02.11.
Biken am Amazonas, darauf habe ich gewartet, endlich mal biken am Arsch der Welt. Da Belém die schönste der drei Destinationen am Amazonas sein sollte (und auch war), entscheide ich mich für eine Biketour in Santarém, denn Belém werden wir zu Fuß erkunden.
Bei ca. 35° im Schatten und einer Luftfeuchtigkeit von 90% machen wir uns auf den Weg in die Stadt am Rio Tapajós. Zunächst fahren wir auf asphaltierten Straßen durch die Stadt, und es sieht aus wie überall in Mittel- oder Südamerika. Später verlassen wir den Asphalt, und nun folgen fast ausschließlich Schotter- und Sandwegen. Allerdings sind wir noch nicht im Umland, sondern es leben links und rechts dieser Straßen Menschen, unter mehr oder weniger ärmlichen Bedingungen. Der rote Staub der Pisten legt sich auf alles, vorbei rasende Busse, kleine Windhosen oder Böen blasen den Staub in jede Ecke.

Steinerne Häuser mit Bretterzäunen lösen sich mit Wellblechhütten ab, relativer Reichtum neben Armut. Trotzdem begegnen uns die Menschen dort friedlich und freundlich. Daumen hoch, dieses internationale Zeichen für „Alles gut, alles prima“ wird hier gut verstanden. Meist begegnet man unserem „Daumen hoch“ mit einem Lächeln und ebenfalls dem „Daumen hoch“, manchmal aber auch mit einem finsteren Blick. Dann heißt es: Zügig Weiter.

An jeder Ecke treffen wir auf für uns exotische Früchte, Mangos, Cashews, Papayas oder Zitrusfrüchte, alles wächst hier einfach so in Gärten und an der Straße, davon haben die Menschen im Überfluss. Strom und sauberes fließendes Wasser hingegen sind nicht immer selbstverständlich. An einem kleinen Fluss, über den ein schräger wackeliger Steg führt, treffen wir auf badende Kinder, auf ein Pferd das getränkt wird und auf einen Biker, der sein Motorrad putzt, außerdem wird hier Wäsche gewaschen. Dem Wasser bringe ich allerdings für keine dieser Tätigkeit genügend Vertrauen entgegen.

Kurs vor dem Höhepunkt der Tour, dem „Monte Militar“ (wie heißt der eigentlich wirklich), pflückt René noch frisches Roucou und bemalt seine Indianer mit roten Streifen. Nun ist er endgültig unser Häuptling, und die Auffahrt kann beginnen. Obwohl wir über lediglich 120 Höhenmeter reden, kommen nur zwei aus der Gruppe im Sattel sitzend oben an: Laurent vom Showensemble und ein Pax. Es war einfach zu heiß, zu schwül, und der Anstieg wohl zu steil. Belohnt werden wir mit einem grandiosen Ausblick über Santarém bis hin zum Schiff.

Auf dem Rückweg halten wir bei einem Händler, der am Straßenrand Melonen verkauft. Ich kaufe eine Melone für alle, für zwei brasilianische Real – für einen knappen Euro - bekommen wir die köstlichste Melone der Welt. Der Rückweg führt uns durch die Stadt, wieder über asphaltierte Straßen, die Strandpromenade entlang. Dort werden wir – auf der Promenade und dem Bürgersteig fahrend – das erste Mal unentspannt empfangen. Wir deuten die Gesten und Rufe so, dass wir gefälligst auf der Straße fahren sollen.

Nach ca. 25 km sind wir zurück am Dampfer, und wir hatten die Gelegenheit, viele Eindrücke über das Leben in dieser Stadt im Nichts, zu bekommen. Die Tour war mit 49,95 Euro ausgeschrieben (Was soll eigentlich der Quatsch mit den 95 Cent hintendran?), belastet wurden dem Bordkonto aber nur 34,95 Euro, warum kann ich nicht sagen. Es mag daran liegen, dass der in der Beschreibung genannte Stopp im kulturellen Zentrum der Stadt fehlte, und die Tour dadurch kürzer war. Nun, mir fehlt nichts, viel mehr gibt es nicht zu sehen. Es gibt zwei Trinkflaschen, ich rate aber dringend dazu, mehr Wasser mitzunehmen. Außerdem den üblichen Riegel. Diese Tour kommt über 3*** nicht hinaus, hat aber Spaß gemacht.

Nicht alle waren mit dem Rad unterwegs, einige verbrachten den Tag am Strand von Alter do Chao. Bis dahin sind es rund 40km, Taxis stehen am Hafen bereit und die Fahrt dauerte rund eine Stunde. Aber Achtung: Da unsereins des portugiesischen nicht mächtig ist, und die Taxler dort kaum Englisch sprechen, kann es leicht zu Verständigungsprobleme kommen. Ausgemacht waren drei Stunden Strand, also eine Stunde hinfahren, drei Stunden Aufenthalt, eine Stunde Rückfahrt. Als Preis waren 150 BRL vereinbart, also rund 75 Euro. In Alter do Chao angekommen erklärte der Fahrer, dass er dann in einer Stunde alle zur Heimfahrt erwarte, er sehe da nämlich so: Eine Stunde hin, eine Stunde Strand, eine Stunde zurück.

Was jetzt also tun? Man entschied sich dafür, einen neuen Preis auszuhandeln, denn man kann ja nie wissen. Der Fahrer hatte noch kein Geld gesehen, aber vielleicht fährt er trotzdem weg? Im Nachhinein lässt sich sagen, dass stur bleiben wohl auch gut gegangen wäre, denn 80 Kilometer Fahrt ohne Bezahlung hätte dort niemand gemacht. Aber weiß man‘s? Könnte ja auch sein, der Taxifahrer kennt dort starke Männer oder hat Beziehungen zu den örtlichen Behörden. War das nun von vornherein geplant? Ist der Fahrer bloß ein Schlitzohr? Bei den Verhandlungen hilfreich waren Stift und Papier, das sollte man in der Tasche haben.

Der Strand war toll, die Fahrt hat sich gelohnt. Feiner Sandstrand, es gab Getränke, Essen und man konnte Liegen und Sonnenschirme mieten. Schwimmen im Amazonas – das gibt’s so schnell nicht wieder. Aber Achtung, im Wasser gibt es Stachelrochen. An sich ganz friedliche Vertreter, die ruhig auf dem Grund im Sand liegen. Nur wenn man auf sie drauf tritt, dann werden sie ungemütlich und schlagen mit dem Schwanz, was zu schmerzhaften Verletzungen führen kann. Dass das Ganze am Ende 220 BRL gekostet hat (für 4 Personen, also 55 Euro / Pax) fiel am Ende nicht mehr ins Gewicht.
 
Das Auslaufen genossen wir erneut an der Ocean-Bar. Sonnenuntergänge am Amazonas sind irgendwie sonderbar, fast wie am Meer. Das muss am Meer von Bäumen liegen, in dem man sich letztlich bewegt. Der Fluss selber ist immer dann am beeindruckensten, wenn zwei Flüsse zusammenfließen. Dann entfaltet das Wasser seine ganze Breite, dann reicht das Wasser bis zum Horizont. An diesen Zusammenflüssen tauchen auch regelmäßig rosa Delfine auf.

Manche der Amazonasvölker glauben, dass sich die Seele eines Ertrunkenen in einen rosa Delfin verwandelt. In manchen Nächten kommt der rosa Delfin an Land und verführt die jungen Mädchen des Stammes, die Kinder sind aber weder rosa noch haben sie Schwimmflossen. Der rosa Delfin erscheint an Land in Form eines weißen Mannes in einem weißen Anzug mit weißem Hut. Kein Wunder, das manche Indios den Weißen noch heute mit Skepsis begegnen.

Wenn es allerdings Nacht wird, dann besuchen uns noch andere Urwaldbewohner. Dann werden riesige Nachtfalter von den Lichtern des Schiffes angezogen. Sie sind harmlos, aber diese mehr als Handteller großen Flattertiere können einen sowohl beeindrucken als auch erschrecken. Denn viele sind auch am nächsten Morgen noch da, und man findet sie an allen möglichen Orten. Auch Grillen verirren sich an Bord, und so kam es, dass wir später mitten auf dem Meer, an der Ocean- oder Poolbar sitzen konnten und dabei vom Zirpen der Grillen unterhalten wurden.

Im Rossini gibt es neuerdings auch eine kleine Auswahl an Buffalo-Steak-Haus-Produkten, und so gönnen wir uns an diesem Abend leckeres Rinderfilet. In der Speisekarte finden wir einen Schreibfehler, und weil wir den Oberkellner darauf aufmerksam machen, spendiert er und den Digestif. Danke Attila.

Am Abend findet eine von vielen Poolparty statt, das Motto soll sein: 60er Jahre, Beat-Club. Was nach einem tollen Auftritt des Showensembles folgt war alles, aber kein Beat-Club. Allerdings war es erfolgreich, die Tanzfläche war voll, es wurde getanzt bis zum Ende. Heute wurde das etwas ältere Publikum bedient und kam voll auf seine Kosten. (Für die Statistiker: Das Durchschnittsalter lag bei 54, und es waren nur 3 Kinder an Bord.)

2.Seetag, 03.11.
Dieser Seetag sollte etwas Besonderes  für uns bereithalten: Unsere erste Äquatorüberquerung per Schiff, und zwar von Süd nach Nord. Dies geschah auf dem Amazonas ungefähr auf der Höhe der Stadt Macapá. CD Klaus kündigte das Ereignis mit dem Typhon lautstark an. Natürlich merkt man nichts, es passiert nicht, das Ereignis ist nicht sichtbar, aber trotzdem haben wir das Gefühl, etwas Besonderes zu erleben.

Getrübt wurde der Vormittag durch eine erneute Zwangsbeschallung durch Herrn Kiesewetter über Lautsprecher. Sicherlich sehr informativ, aber das wollten wir alles zu diesem Zeitpunkt gar nicht wissen.

Heute ist es erneut sehr heiß, und Schattenplätze ausgesprochen rar. Daher entreservieren wir eine Liege, die inzwischen nachweislich zwei Stunden nicht belegt ist. Nach einer weiteren Stunde erscheinen die Reservierer, und es gibt die übliche Diskussion darüber, ob und wie lange man eine Liege reservieren darf und wer über das Entreservieren entscheidet. Bevor die Situation eskalieren kann, verzieht sich der Reservierer, die umliegenden Paxe spenden Beifall dafür, dass endlich mal was passiert.

Am Nachmittag gibt es  natürlich die Äquatortaufe. Sie läuft ab wie alle anderen Taufen auch, und weil wir schon welche mitgemacht haben, lassen wir diese einfach mal aus. Den dicken Fisch zu küssen, der dort in der Mittagshitze langsam niedertemperaturig vor sich hin gart, danach ist uns nicht. Patrick hat einen Auftritt als Neptun, und wie es sich gehört, landen er und sein Gefolge am Ende im Pool.

Da wir Kabinen auf Deck 7 achtern backbord gleich hinter der Ocean Bar hatten, wurde die Ocean Bar zu unserem Wohnzimmer. Sundowner, Digestif und Filosofentreffs wurden hier abgehalten. Die Barcrew um Adrienne versorgte uns hervorragend, allen voran Kellner John V. Rein filosofisch wurden wichtige Fragen aufgeworfen: Warum leuchtet der Nachthimmel nicht hell, wenn doch das Licht unzähliger Sterne auf die Erde trifft? Wir haben das nicht zu Ende diskutiert, und ich bin gespannt auf Eure Antworten. Außerdem stellte ich fest, dass die dort installierten Fernrohre eigentlich Zwillings-Laser-Kanonen sind. Dieses Geheimnis erschließt sich aber erst nach mindestens zwei Mai Tai.

Unsere ärztliche Fachfrau stellte außerdem die Behauptung auf (Eine der alten Thesen der Menschheit.):  Es kommt auf die Größe an! Angesichts der Weiten des Amazonas ja auch nicht verwunderlich. Andere stellten die These: Rein raus macht Kilometer! (Eine alte amazonische Fischerweisheit.) dagegen. Diese Thesen blieben unwiderlegt, vielleicht mag ja jemand einen Besinnungsaufsatz darüber schreiben.

Am Abend sehen wir das Soloprogramm von Ensemblemitglied Silvia Minardi. Natürlich interessierte uns das, denn ich hatte das Vergnügen, Silvia ein Päckchen mitzubringen und konnte sie so kennen lernen. Eine gute Show, eine schöne Stimme und ein toller Abend auf dem Pooldeck wurden uns von Silvia beschert. Die nachfolgend Rocknacht in der Anytime war leider schlecht besucht, aber für den nächsten Tag stand ja auch Belém auf dem Programm.

Belém, 04.11.
In Belém wird getendert, sowohl mit eigenen als auch mit einheimischen Booten. Wir erwischen auf dem Hinweg einen der typischen Amazonasdampfer, mit zwei Decks. Alleine diese Fahrt war schon das Tendern wert. Der Hafen ist hier eine Anlegestelle für Fährschiffe und ähnliches. Belém erkunden wir in der  großen Gruppe zu neunt zu Fuß. Zunächst gehen wir vom Anleger aus rechts rum, über den Markt Ver-O-Peso. Hier gibt es hunderte von Ständen, in verschiedene Abteilungen aufgeteilt. Da gibt es Obststände, Gemüsestände, Fleischstände, Trockenfisch, Trockenfleisch, Kurzwaren, Töpfe und andere Küchenutensilien, Kräuter, Essenzen, Handys, Textilien, lebendes Getier wie Hühner, Enten, Küken aller Art und Meerschweinchen (die sollen übrigens gegrillt eine Delikatesse sein). Kurzum: Es gibt hier einfach alles, von der Kartoffel bis zum exotischsten Gemüse und Obst.

Dem frischen Fisch ist eine eigene Halle vorbehalten, der Trockenfisch liegt auf der Straße davor in der heißen Sonne. Uns fällt auf, dass es keine Fliegen gibt, weder beim Fleisch noch beim Fisch. Am Ende des Marktes ist die Anlegestelle der Fischer, hier gibt es den ganz frischen Fisch. Hier liegt allerdings auch der Müll, der frische wie der alte, und dazwischen die Ratten der Lüfte, Geier. Wie bei uns durch die Tauben, kann man hier durch die Geier spazieren.

Nach den letzten Ständen des Marktes folgt schon das Fort „Forte do Castelo“ bzw. „Forte do Presipio de Belém“. Die Außenanlagen können frei besichtigt werden, der Eintritt in das Fort kostet 1 USD oder 2 BRL. Es lohnt sich, hineinzugehen, denn von der Mauer aus bietet sich ein schöner Blick über die Stadt. Die ganze Anlage ist sehr gepflegt und gut bewacht. Überhaupt zeigte die Polizei starke Präsenz. Es gab Kräfte der Policia Municipal, der Policia Militar und weiter Polizisten, alle bewaffnet und mit schusssicheren Westen ausgestattet. Diese marschierten aber nur an den touristischen Attraktionen auf, in den Seitenstraßen war von Polizei wenig zu sehen. Am Fort gibt es Kokosnussverkäufer, die rufen 4 USD je Nuss auf, zwei Seitenstraßen weiter kostet die gleiche Nuss 1 USD oder 2 Real, nur mal so als Hinweis.

Blickt ihr mit dem Fort zur rechten aufs Wasser, dann könnt ihr dort einem Weg folgen durch eine kleine parkähnliche Anlage. Von dort könnt ihr wiederum eine hölzerne Terrasse sehen, die Richtung Wasser gebaut ist, und darauf stehen Tische. Richtig, ein Restaurant.  Der Weg dorthin ist nicht ganz einfach, ich hab versucht es bei Google Maps zu finden, nichts zu machen (Darauf hatte ich mich verlassen, deshalb habe ich keine Straßennamen aufgeschrieben.) Am Wasser entlang geht’s nicht, nehmt einfach den Weg, der sich aufdrängt, Richtung Stadt, immer rechts halten. Über einem Haus hängt rechter Hand ein Schild „Restaurant Palafita“, durch diese hohle Gasse müsst ihr gehen, durch das ganze Haus hindurch, nicht aufgeben, nicht umkehren, am Ende seid ihr richtig. Hier gibt’s Bier und Coke und wer mag kann auch Essen. Schöner Platz für eine Pause, den Astrid hier entdeckte und den man erst mal finden muss.

Nach dieser Erfrischung marschierten wir Richtung Kathedrale Sé, und weiter quer durch die Stadt, durch Sträßchen und Gassen, bis zum Téatro da Paz. Das Téatro ist ebenso wie die Oper in Manaus nur mit einer Führung zu besichtigen, darauf verzichten wir diesmal. Über die Prachtstraße Ave Presidente Vargas gehen wir zurück Richtung Schiff. Wir landen bei den alten Docks, die inzwischen zu einer Fress- und Shoppingmeile ausgebaut wurden. Hier speisen wir sehr gut brasilianisch – aber nicht günstig – in der Là em Casa, mitten in den Estacaos das Docas.

Für diese große Runde durch Belém brauchten wir etwa 3 Stunden, Pausen exklusive. Von Vorteil ist es, brasilianische Real zu haben, nicht überall wird der USD genommen oder vernünftig umgerechnet. Warum auch, Brasilien ist ein großes Land, mit einer stärker werdenden Wirtschaft, wir würden ja auch die Ami-Lappen nicht annehmen.

Die Fahrt mit dem Tenderboot zurück zur Vita beendet unser  brasilianisches Abenteuer. Am besten gefallen hat uns Belém, danach der Strand von Alter do Chao, dann Santarém (weil man hier des besten Einblick ins Leben bekam), und dann Manaus, man schaut die Oper an und gut, das ist jedenfalls unser Fazit. Das mit den Bikinis hat auch nicht so ganz geklappt, denn schöne Frauen gab‘s keine zusehen. Wahrscheinlich liegt da das Monopol in Rio de Janeiro.

Mücken haben wir auf der gesamten Amazonasreise keine einzige gesehen oder gehört, weder tagsüber noch in der Nacht. Es gab kleine Tierchen, wie Florfliegen, völlig harmlos, riesige Nachtfalter, groß wie Spatzen, und hin und wieder einen dicken fetten Käfer an Bord, das war’s. Die Käfer knacken eklig, wenn man aus Versehen drauf tritt. No Bite, extra eingekauft nach all den Diskussionen im Vorfeld, habe ich einmal zur Radtour benutzt. Malarone, aus gleichem Grund angeschafft, brauchte ebenfalls kein Mensch. Allerdings muss man sagen, dass die Regenzeit noch nicht begonnen hatte, und dass es seit Wochen extrem trocken war. Die Mücken fanden ihre üblichen Brutstätten wohl nicht, da die Sonne alles erbarmungslos ausgetrocknet hatte. Wie das alles bei höherem Wasserstand gewesen wäre, wissen wir nicht. Für uns war es so jedenfalls ganz angenehm. Amazonas – nun habe ich ihn gesehen – gut. Ich sage nicht: Auf Wiedersehen sondern: Tschau!

Die Schlagerpoolparty am Abend war ausgesprochen gut besucht. Leider gab es nicht unsere Art von Schlager, so dass der Abend für uns recht zeitig endete. Auf dem Pooldeck aber wurde getanzt bis tief in die Nacht.

3.Seetag, 05.11.
Der Tag vergeht am Pool mit Nichtstun und dem ein oder anderen Radler. Am Nachmittag nehmen Stefan und ich an der Poololympiade teil. Eine schöne Gaudi für alle, und auch wir haben Spaß. Obwohl wir 3 von 5 Spielen gewinnen, gehen wir nicht als Sieger von Deck. Einerseits schade, andererseits, was hätten wir mit noch einem Lanyard gemacht?

Heute erreichen wir endlich wieder das Meer, endlich wieder blaues Wasser um uns herum, statt brauner oder grünbrauner Brühe. Eine richtige Schiffsreise ist doch mehr unsere Sache, als auf dem Fluss zu cruisen.

Am Abend schauen wir uns den Gastkünstler Horst Fyrguth im Theater an. Mit seinem Programm „Ein Waldorfschüler will nach oben“ kann er uns eine halbe Stunde unterhalten, dann wird’s flach und flacher und wir gehen an die Bar. Seine zweite Show ein paar Tage darauf lassen wir deshalb auch aus. Später gab es noch den Heaven’s Club in der Anytime, aber das ist auf die Dauer zu viel House für uns, und so wird es eine eher kurze Nacht (Was natürlich unsere Anytimezuschließer T. und D. nicht hindert, auch heute den Club zuzusperren, aber das nur am Rande.)

Île Royale, 06.11.
Wir beginnen den Tag mit einem Frühstück im Rossini. Dazu nutzen wir unsere Vielfahrer-Frühstück-im-Rossini-Gutscheine. Wir waren uns einig darüber, dass es sehr gut war, sowohl von der Qualität der Speisen als auch vom Service her. Die Ruhe dort und nicht zum Buffet laufen zu müssen, dass hatte schon was Gutes. Aber wir waren uns auch darüber einig, dass wir nicht 18 Euro extra dafür würden bezahlen wollen.

Zusätzlich zum Frühstückgutschein erhielten wir als Vielfahrergeschenk  das Diva-Schiffsmodell und das übliche Lanyard. Freue ich mich jetzt über ein Geschenk im Wert von 50 Euro? Ärgere ich mich über das zusätzliche Gewicht im Koffer? Das Ding ist schwer und nur 20 Kilogramm sind erlaubt. Dass wir das Modell schon haben, können die bei AC ja nicht wissen. Nun ja, wir können es verkaufen oder verschenken, mal sehen.

Nach dem Frühstück wollen wir alle auf die Insel. Alle, inklusive Crew, haben sich gefragt: Was wollen wir bloß auf diesem Fliegenschiss auf der Landkarte.
Strand - Fehlanzeige.
Sehenswürdigkeiten - Ein Knast, na Bravo!

Die Hafeninfo liest sich so:
Taxis: Es gibt keine Taxis.
Busse: Es gibt keinerlei Bustransport.
Mietwagen: Es gibt keine Mietwagen.
Banken: Es gibt keine Banken.
Touristeninfo: Es gibt keine Touristeninfo.

Keiner wollte dorthin. Und als wir da waren? Da wollte keiner von uns – im Gegensatz zu den Bewohnern der Vergangenheit – weg. Ein Traum von einer Insel. Der Spaziergang um die Insel dauert etwa eine Stunde, die Besichtigung der Anlagen auf dem Gipfel der Insel – je nach Interesse – auch eine Stunde. Dort sind die Reste des Gefängnisses, die Einzelzellen sind zu besichtigen und das Wohnhaus des Direktors. Darin ist ein kleines Museum. Der Museumseintritt ist frei, es ist klein aber informativ und liefert alles Wissenswerte über das Bagno, das man wissen sollte oder wollte.

Außerdem gibt es dort oben ein Hotel, die „Auberge des Îles du Salut“, mit einer kleinen Bar. Vor dort hat man einen grandiosen Blick auf die Nachbarinsel St. Joseph. Die ganze Île Royale ist wie ihre zwei Schwestern St. Joseph und Île du Diable grün und völlig bewachsen, und neben dem Pfad herrscht der Regenwald. Wenn man nicht allzu laut durch die Landschaft trampelt, begegnen einem Affen und anderes Getier. Das einzige, das stört, sind die 1000 weiteren Paxe, die gleichzeitig auf der Insel sind. Île Royale war sicherlich ein Highlight der Reise.

Am Abend gibt er wieder eine Poolparty, das bietet sich unter karibischem Himmel aber auch an. Das großartige Showensemble startet mit der Show Baila!, und dies bleibt auch das Motto des Abends. Rudi haut einen Latin-Hit nach dem anderen raus, und nach etwa einer Stunde gibt sich eine Gastkünstlerin die Ehre: Tatiana Perez. Sie singt und tanzt, und das halbe Pooldeck (die männliche Hälfte) liegt ihr mehr oder weniger zu Füßen, allen voran T. Lastorder.

Nach dem Auftritt geht die Party weiter, weiter bis in die Anytime Bar und weiter bis zum Morgen, immer getreu dem Motto: Baila! Tanze!

4.Seetag, 07.11.
Den Seetag starten wir mit einem Frühstück vom Poolbrunch, denn die Nacht war lang. A&A bekommen eine Flasche Prosecco zum Hochzeitstag, und den Höhepunkt des Tages bildet der Rossini-Lauf auf Deck 11. Vier Jungs rennen sich die Seele aus dem Leib, bei 30° im Schatten, um einen Gutschein fürs Rossini zu ergattern. Dafür gibt‘s meinen vollen Respekt, vor allem an das überragende Team aus Dresden.

Heute probieren wir auch  das viel gepriesene Roucou-Öl aus. Wir finden es nicht so schlecht, stellen fest, das außerdem Calendula drin ist, was für eine Sonnenpflege absolut sinnvoll erscheint. Allerdings nur auf das Roucou würden wir uns bei lediglich LSF4 nicht verlassen.

Die Show „Faszination der Steine“ lassen wir aus. Diejenigen, die im Theater waren, kommen gut ausgeschlafen von dort zurück – muss eine tolle Show gewesen sein. Das Alpenglühen in der Anytime heute Abend lassen wir ebenfalls aus, das brauchen wir heute nicht. Da sammeln wir lieber Kraft für die Radtour morgen auf Trinidad.

Port of Spain, 08.11.
Eine mir noch unbekannte Karibikinsel ruft natürlich nach einer Radtour. Angekündigt sind 35 km soft, dazu später mehr. Es ist heiß, über 30°, aber nicht mehr so schwül wie am Amazonas. Trotzdem verbrauche ich heute 4 Flaschen Wasser, und gegen eine weitere Flasche hätte nichts einzuwenden gehabt. Wir fahren in nur einer großen Gruppe, dafür aber mit allen Guides.

Zunächst sehen wir uns die Stadt an. Kreuz und quer durch Straßen und Gassen und einen Verkehr, der so dicht ist, dass selbst wir Biker mitunter nicht weiterkommen. Der Verkehr hier gehört mit zu dem schlimmsten, was ich in dieser Hinsicht radelnd erleben durfte, und ich habe schon einiges gesehen. Erst Queen’s Park Savannah bietet verkehrsfrei Entspannung, und wir haben Gelegenheit, The Magnificent Seven zu sehen. Ein Rastaman, der Kokosnüsse am Straßenrand verkauft, macht einen Wochenumsatz in wenigen Minuten.

Weiter geht es durch die Stadt, hinaus Richtung Diego Martin, denn wir wollen ja in den Wald. An einer Kreuzung passiert es dann: Wir erwischen nicht den Abzweig Richtung Diego Martin, sondern einen sonst wohin, in eine falsche Richtung. Nach etwa 3 bis 4 Kilometern fällt das auf, wir stoppen, und halten ein Bikerritual ab. Das brauchen wir auch, denn einige Gäste sind ob des Umweges etwas angespannt. Also, zurück das Ganze, und nun richtigerweise links abbiegen, und schon sind wir unterwegs Richtung Autobahn. Richtig gelesen! Wer schon mal auf Guadeloupe zum Biken war kennt das, auch da führt ein Teil der Strecke über die Autobahn.

Hinein nach Diego Martin und gleich wieder hinaus in den Regenwald. Es ist heiß, es ist schwül, und erste Erschöpfungszustände kündigen sich an. Nun ist es aber nicht mehr weit. Am Fuße einer steilen österreichischen Garagenauffahrt steigen alle ab, schieben die paar Meter hinauf (Oder ist doch einer gefahren?), und dann machen wir uns zu Fuß auf in den Wald. Über einen zwar betonierten, aber rutschigen und nicht immer geraden Weg gelangen wir an einen kleinen natürlichen Pool mit einem Wasserfall. Das Wasser ist trüb, aber dennoch erfrischend und so ziemlich jeder springt hinein. Zwei einheimische Halbwüchsige unterhalten uns mit gewagten Sprüngen von den Felsen in den Pool, und alles ist gut.
Erholt und erfrischt treten wir den Heimweg an.

Unterwegs erklären uns René und Anderson Farah noch die einheimische Flora. Bis Port of Spain klappt alles gut, aber das Zentrum der Stadt erstickt geradezu in Verkehr, scheint dem Verkehrsinfarkt zu erliegen. Es wird immer schwieriger, mit der großen Gruppe einen Weg zu finden. Mal überholen wir links, mal rechts, wir versuchen alles, damit es vorwärts geht. Ich fahre irgendwo in der Mitte der Gruppe, wir überholen gerade eine endlose Reihe sich stauender Auto, da ist sie plötzlich da, wie aus dem nichts, und ich brettere voll hinein – in die Autotür. Zum Glück steckten wir in diesem Stau, und wir sind nicht schnell gefahren. So bleiben mir außer dem Schreck nur ein fetter Bluterguss am Oberarm und eine Prellung der rechten Schulter (Der Bluterguss ist schon verschwunden, nur die Prellung beglückt mich auch jetzt noch mit Schmerzen.) Schließlich gelangen wir auf einem Zick-Zack-Kurs durch Nebenstraßen und auf Umwegen zurück zum Hafen, und alle sind froh und glücklich, dass das Schiff uns wieder hat.

Die Runde war definitiv „soft“, auch wenn einige Mitfahrer schon unterwegs ihren Unmut darüber zum Ausdruck brachten, dass das nicht stimmen könne. Die eine Rampe, die geschoben wurde, war kaum der Rede wert, und für den Verkehr kann keiner was. Das Streckenprofil war wellig, aber die Anstiege weder steil noch lang. Mit der Hitze war zu rechnen, und das sich René verfranzt, und wir deshalb einen Umweg fahren müssen – nun ja, da hätte ich jede Wette gegen gehalten, aber schließlich sind auch die besten von uns nur Menschen und können einen Fehler machen.

Insgesamt eine schöne Runde von am Ende ca. 45 km (denke ich), und Extrawasser war auch heute ratsam. Die Tour kostete 59,95 Euro (Schon wieder sind diese Cents hintendran.), es gab Flaschen und Riegel, und ich bin um eine Erfahrung reicher: Morris vs. Mazda geht zugunsten des Japaners aus.

Der Rest von uns lässt sich mit dem Taxi zur Maracas Bay und dem Maracas Beach fahren. Hinfahrt, drei Stunden Aufenthalt, Rückfahrt sind für 20 USD je Pax zu haben. Der Strand war toll, es gab Fressbuden, kaltes Carib, und die Shark-Burger sollen 1a gewesen sein – für 5 Dollar das Stück. Duschen und Toiletten runden das ganze ab, was die Liegen kosteten, wissen wir nicht mehr.

Im Theater läuft heute „Ich glotz TV“, und wir verpassen, dass Stefan mitmacht, und da ich so eine Tasse schon habe, machen wir weder mit noch gehen wir hin. Die Beach Party später war schwach besucht, die Musik heute auch nicht ganz passend, aber auch Rudi darf ja mal einen schlechten Tag haben. Es kann nicht viel passiert sein, im schwarzen Buch steht nichts, und ich erinnere mich an nichts Besonderes.

Barbados, 09.11.
Wir legen früher an als geplant (wir legen auch meisten früher ab, als geplant, deshalb geben wir unserem Käpt’n Sven Gärtner den Beinamen „der Frühe“ und wir nennen ihn liebevoll „Der frühe Sven“) und deshalb wird das Schiff überpünktlich freigegeben. Das ist gut, denn so kommen wir auf jeden Fall pünktlich zum Treffpunkt. Gleich außerhalb des Hafens wartet unser Transfer zum Yachthafen von Bridgetown, und dort wartet „unser“ Katamaran auf uns, von zu Hause aus vom Doktorfisch vorgebucht. Außer uns sind noch zwei weitere Aida-Gäste mit von der Partie, und vier  Amerikaner. 12 Personen plus Crew bestehend aus Calabaza-Sailing-Cruises Inhaberin Gina, dem Skipper Andrew und seinem Hand Chad.

Die gewünschte Open-Bar ist tatsächlich schon open, und so starten wir mit einem Banks bei strahlendem Sonnenschein, leichtem Wind und ruhiger  See zu unserer ganz privaten Mini-Cruise. Bananabread wird zur Stärkung gereicht, und wer sich trotzdem schwach fühlt trinkt erst mal einen Rumpunsch. Das ist doch was ganz anderes, so eine intime Gesellschaft, als mit gefühlten 300 Aida-Paxen auf dem großen Kat zu segeln.

Am ersten Stopp schnorcheln wir mit Wasserschildkröten, die Chad mit Fischködern anlockt. Die Viecher wissen das natürlich genau, und so sind immer Schildkröten da, zu unserem Vergnügen. So nahe haben wir die noch nie gesehen, man kann die Tiere berühren, muss aber aufpassen, dass die Finger oder anderes nicht mit totem Fisch verwechseln. Als der Aida-Ausflugs-Kat eintrifft und ungefähr einhundertdrölf Paxe ins Wasser kotzt, kratzen wir die Kurve und segeln in ruhigere Gewässer.

Der nächste Stopp ist an einem Schiffswrack, und erneut  ködert Chad die dortigen Meeresbewohner, diesmal mit Crackern. Kaum sind die ersten Krümel im Wasser, wimmelt es auch schon von bunten Fischen. Wir sind begeistert. Die Scuba-Diver tief im Wasser unter uns sind bestimmt weniger begeistert; eben war das noch ein ruhiger Tauchspot, nun sind 12 Schnorchler da. Außerdem ist es erlaubt – endlich mal - auch von Bord ins Wasser zu springen, das haben die Aida-Kat-Skipper immer verboten. Herrlich, so eine Arschbombe in der Karibik.

Bei diesem Spot gibt es auch Middach. Cowl Slaw, Cesar’s Salad, Fried Flying Fish, Chicken, Rice, Black Beans und anderes mehr. Inzwischen hat uns Gina auch 25 Seiten Bajan Rezepte geschickt. Das wichtigste will ich hier mal für Euch aufschreiben:

Rum Punch
1 part sour (lemon juice)
2 part sweet (brown sugar)
3 parts strong (dark rum)
4 parts weak (2 parts water, 1 part orange, 1 part pineapple juice)
Angostura bitter generously
Before serving top with sprinkle of nutmeg and a dash angostura

Da werden wir wohl mal Rumpunsch machen, die Barbados-Flagge hochziehen, und Bajan-Food kochen.

Nach dem Essen segeln wir leider schon wieder Richtung Yachthafen, und einer der besten Ausflüge  geht schon zu Ende. Leider holen wir uns auch einen üblen Sonnenbrand. Es war aber auch zu geil, vorne im Netz zu liegen, und aufs Wasser zu schauen, oder im warmen Meer zu schwimmen. Da kann man schon mal die Zeit und das Eincremen vergessen. Danke Calabaza-Crew, für diesen tollen Tag. Falls Ihr nach Barbados kommt und auch mit Calabaza segeln wollt, hier der Link:
www.calabazasailingcruises.com

Am Abend gibt’s wieder Poolparty, diesmal als Piratenparty. Wir sehen einen erneuten Auftritt von Lord Patrick, das Showensemble begeistert uns einmal mehr und dann kommt er, der Stargast des Abends, der Gockel der Woche, die Luftschlange der Reise: Rafael de Alcala, Life on Pooldeck, Rafael the Gypsy. Aber halt, bevor ich unfair werde. Auch diesen Auftritt muss man von zwei Seiten sehen. Das Pooldeck war voll, das Publikum begeistert, die Leute haben mitgesungen, mitgeklatscht, Zugaben gefordert, deshalb muss man sagen: Alles richtig gemacht, sowohl seitens AC als auch von Rafael, die Leute sollten unterhalten werden, die Leute wurden unterhalten.

Musikalisch gesehen war die Nummer meiner Meinung nach eher schwach, und für diese ¾ Stunde Auftritt so einen Wind zu machen …. aber bitte, jeder wie er mag. Da habe ich schon viele deutlich bessere Gitarristen gesehen und gehört, die weniger Show gemacht und mehr gespielt haben. Und ich meine da nicht die großen und berühmten, sondern einfach die vielen engagierten Musiker auf unserer Museumsbühne. Gerne höre ich jederzeit wieder die Solisten des Ensembles, allen voran Silvia Minardi, am besten zusammen mit Patrick, aber Rafael brauche ich nicht mehr.

Tatiana Perez hatte ebenfalls einen Auftritt auf dem Pooldeck und unterhielt uns mit Gesang und Tanz. Die Poolparty war für die Crew offen, es gab eine eigene Crewbar und jeder der konnte und wollte kam an Deck. So tanzten wir bis gegen 1 Uhr, um dann in die Anytime umzuziehen. Die Anytime Bar war voll, allerdings wurde sehr darauf geachtet, dass Crewmitglieder vom Pooldeck nur dann mitkamen, wenn sie auch einen Leisure Pin hatten. Die großzügigen Zeiten sind echt vorbei, als jeder noch in der Anytime weiterfeiern durfte. Um 2 Uhr war auch heute Crew-Zapfenstreich, und eine sehr schöne Crew-meets-Pax-Party ging zu Ende. Wir blieben noch ein wenig, und die Tür wurde zuverlässig von den üblichen Zuschließern versperrt.

Roseau, 10.10.
Was macht man auf Dominica, wenn man schon öfter da war und der Regenwald nicht mehr so interessant ist? Richtig, man schlendert durch die Stadt, klappert die Stände ab, und setzt sich dann an eine Bar. Wir wählten die Bar des Fort Young Hotels, und Barkeeper Frederick versorgte uns mit kaltem Kibuli. Wir plauderten über Kolonialherren, Unabhängigkeit, Tourismus und die Zukunft Dominicas, über das, was sich verändert hat, und wir lernten, dass man immer zwei Kibuli trinken muss – ähnlich unserem Spruch „Auf einem Bein kann man nicht stehen“. Andere Länder, gleiche Sitten. Im Restaurant hier haben wir auch gegessen. Das Essen war gut, kann ich empfehlen. Erschreckt Euch nicht beim Blick auf die Preise in der Speisekarte, die angegebenen Preise sind in EC Dollars.

Lastorder und Doktorfisch haben den Aida-Ausflug „Canyoning“ (DOR20) gemacht, sie waren sehr begeistert davon, und empfehlen diese Tour unbedingt weiter. Näheres dazu findet Ihr im Ausflugsheft.

Am Abend sehen wir Dangerous Love im Theater, ein Stück zur Musik von Michael Jackson. Das Thema ist das alte Romeo & Julia Thema. Man kann die Show mögen, muss man aber nicht. Was ich aber absolut mochte, war die Dirty Diana. Ich weiß nicht mehr, wer sie getanzt hat, werde aber nicht vergessen, wie sie getanzt hat. Oha, das war ganz großes Kino, und es war gut, dass wir nur drei Kinder an Bord hatten. Was der Affe in der Story für eine Rolle spielt, hat sich mir nicht erschlossen, ich freue mich also über Hinweise von denen, die die Show auch gesehen haben.

In der Anytime war Black & White als Motto ausgerufen, und es wurde eine nette Party, allerdings nicht bis ganz in den frühen Morgen (außer für die üblichen Discozuschließer, die wurden wieder vom Putzkommando rausgewischt).

Philipsburg, 11.11.
An Sankt Martin sind wir auf Sint Maarten oder Saint Martin, ganz wie Ihr wollt, das passt doch gut, wir betreten die Insel genau 517 Jahre nach Kolumbus. Wir lassen uns zum Strand fahren, die Taxipreise sind hier gut geregelt. Die Fahrt zu unserem Strand kostet 6 USD pro Person in der Gruppe von neun Personen. Eine Gruppe Amis – sieben Personen – zahlt 7 USD pro Nase, obwohl sie im selben Minibus zum selben Strand fahren, sie sind nur zu siebt und da kostet es nicht 6$ sondern 7$. Punkt.

Die Liegen hatten dicke Auflagen (ein Set kostet 15 USD – 2 Liegen und 1 Sonnenschirm), es gab kaltes Carib oder Heineken oder Corona oder Présidente, ratet was wir hatten? Die Burger waren köstlich, die Bedienung aufmerksam, der Sand weiß und weich, das Wasser warm. Es gab Ärsche die Badehosen fraßen – Bilder aus‘m Kopf - und man konnte Jetski  leihen und andere Aktivitäten betreiben.

Wir machten nur einen Fehler, wir vereinbarten, dass wir nach drei Stunden wieder abgeholt werden. Wir hätten vier oder 4 ½ Stunden sagen sollen. Außerdem gab es so gut wie keine gelb-weiß-gestreiften Handtücher, außer unseren, und deshalb sag ich nicht wo wir waren, denn im März sind wir wieder da und freuen uns schon jetzt auf einen schönen Strandtag auf Saint Martin.

Der Küchenchef überraschte uns heute mit Martinsgans, und obwohl das wenig karibisch ist, und Gans mit Klößen, Bratapfel und Rotkohl in die Karibik passt wie Westerwelle ins Kanzleramt, so war es doch eine willkommene und köstliche Abwechslung.  Bei der Gelegenheit eine paar Anmerkungen zum Essen:  Es war alles in allem immer köstlich, mit ein paar Ausreißern Richtung fürchterlich und ein paar Ausreißern Richtung exzellent. Es kommt immer auf den Küchenchef an, und wie er seine Crew motiviert. Michael Krenn ist dies mit seiner Küchencrew gut gelungen. Dabei ist es mir völlig egal, wie das Motto lautet oder ob es Mottos gibt. Hauptsache, es ist abwechslungsreich, gut zubereitet, lecker und ansprechend präsentiert.

Die Show des Abends hatte das Motto „Haifischbar“. Zwei Tage nach meiner Geburt startete der NDR eine Unterhaltungsshow mit dem Titel „Haifischbar“, diese hielt sich bis ich 17 war, kurz, die Sendung liegt schon ein paar Tage zurück. Lord Patrick hat das Thema aufgegriffen, und eine Show für Aida daraus gemacht. Das bedeutet, er moderiert, musiziert, und dirigiert den Offiziers-Shanty-Chor. Sogar der frühe Sven war dabei. Natürlich durften und sollten auch die Gäste mitsingen, und das taten wir auch. Unterstützt wurde die Show durch Auftritte der Ensemble-Solisten oder von Tati Perez.

Die Resonanz auf die Show war durchweg positiv, wenn man auch geteilter Meinung sein kann. Für einen Abend fand ich das gut, wir haben uns gut unterhalten, wurden gut unterhalten, und die Party im Anschluss profitierte davon, dass die Anytime Bar so voll war. Andere wiederum fanden diese Art der Unterhaltung doch ein wenig altbacken und langweilig. Ich jedenfalls habe schön laut und schön falsch gesungen, das darf ich so selten, dass ich viel Spaß daran hatte. Ob meine Umgebung den gleichen Spaß hatte weiß ich nicht. Die Party war heute von Rockmusik geprägt, und Hells Bells in der Anytime Bar kommt einfach immer gut an.

Bevor die Reise zu Ende geht, möchte ich noch ein paar Bemerkungen zur Crew machen. Die oft gescholtene Rezi zum Beispiel, verdient eine Erwähnung. Das Team um Kristin war immer freundlich und kompetent, man fühlte sich als Gast gut aufgehoben und willkommen. Das Entertainment rund um die liebe Jana war spitze. Ein tolles Showensemble, das Clubteam bot Clubschiff an wie es sein soll, und das Trio Music Island war auch gut. Die Band kann ich nicht beurteilen, in der Aida Bar waren wir so gut wie nie.

Das Housekeeping war gründlich und schnell, die Kellner im Calypso waren aufmerksam. Wenn es mal länger dauerte lag es nicht an den Jungs, sondern daran, dass AC Personal einspart. Alles in allem hat die Vita eine einsatzfreudige, engagierte Crew, jedenfalls soweit wir betroffen waren.

5.Seetag, 12.11.
Ein Paar sitzt mit uns am Frühstückstisch. Er hat Waffeln, Joghurt, Müsli, Obst und Bananenmilch, sie hat Spiegelei, Brot, Wurst, Quark, Bananenmilch, Kaffee. Danach holt sich jeder noch einen zweiten Gang mit anderen Köstlichkeiten. Trotzdem versteigt die Dame sich zu der Bemerkung: „Beim Frühstück specken sie aber ganz schön ab, es sind heute keine Tomaten da. Da will man eine Tomate, und dann so etwas …..“ Gut, nach zwei Wochen wird es dann wohl Zeit, zum frugalen heimischen Frühstück zurückzukehren.

Wir verbringen den Tag am Pool, heute ist „Wetten dass ….“: Stefan wird Wettkönig, und dann heißt es: Packen. Das muss aus dem Kopf, dass muss erledigt sein, dann können wir den Rest des Tages genießen.

Abends eine Überraschung, es gibt keinen Kummer-Hummer. Dafür Kaviar in verschiedenen Sorten, schwarzen, gelben, roten, orangenen. Allerdings keiner davon ist echter Kaviar, also vom Stör. Das Zeug ist vom Hecht, von der Forelle und wovon auch immer sonst noch. Die Leute stehen Schlange, schöpfen das Zeug mit dem großen Löffel als gäbe es kein Morgen. Dazu Brot, Sour Crème und Cracker. Ich hole mir lieber drei Portionen Kaiserschmarrn mit verschiedenen Soßen, den salzigen Fischglibber überlasse ich den anderen.

Die Farewellparty hat wie immer einen etwas traurigen Beigeschmack, dazu passt, dass die Laser immer noch nicht richtig funktionieren, nur die grünen schießen ihre Strahlen übers Deck. Andererseits hat das auch etwa nostalgisches, früher gab’s schließlich nur die grünen Lichtfinger. Dann eine letzte Party in der Anytime, Koffer auf den Gang stellen, und wieder ist eine Reise zu Ende.

Abreise
Morgens stelle ich fest, dass ich meine Bordkarte nicht mehr habe. In der Nacht muss sie noch da gewesen sein, denn ich bin auf Kabinsky gekommen. Morgens ist sie weg. Da gibt’s nur eine Erklärung, die Karte muss im Koffer sein, mit den letzten Sachen, die ich anhatte und noch schnell kurz vor 2 Uhr in den Koffer gepackt habe.

Die Rezi stellt am Abreisetag keine neuen Karten mehr aus, was also tun? Keine große Sache, heißt es dort, passiert öfter, einfach beim Auschecken vom Schiff Bescheid sagen, die checken einen manuell aus. Gut, so machen wir das, schließlich, müssen die Koffer noch im Hafenterminal  für den Heimflug eingecheckt werden. Das Einchecken bei AB klappt tadellos. Bis auf 100 Gramm zeigt die Waage bei Air Berlin das gleiche wie unsere Kofferwaage (Natürlich fanden alle, die für übergewichtige Koffer zahlen sollten, dass die Waagen dort viel zu viel anzeigen – also ich kann das so nicht bestätigen). Ich verstehe auch nicht, was es zu diskutieren gibt, wenn im Ticket steht „20kg je Pax je Koffer“ und man kommt mit 24kg da an? Dumm gelaufen, zahlen, fertig. Air Berlin Servicecards werden übrigens einwandfrei akzeptiert, und so haben wir einen Koffer mit 20 und einen mit 26 Kilo problemlos abgeliefert. Bei Condor wurde nicht gewogen, mal so zur Info.

Nun, nachdem das Einchecken der Koffer so wunderbar klappte, wollten wir aufs Schiff zurück. Na, das macht mal ohne Bordkarte. Pass vorzeigen hilft auch nichts, auch als Hotelmanagerin Anja bestätigt, dass ich ich bin und dass ich Gast bin, kümmert das auch keinen. Wir diskutieren über verlorene Bordkarten, über eine Liste, in die ich hätte eingetragen werden müssen, und irgendwann lässt man mich dann gnädig wieder an Bord. Safety first, und Order ist Order. Später finde ich meine Bordkarte wieder, traue mich aber nicht, mit der Karte dann endgültig auszuchecken, sondern ich lasse mich wieder manuell auschecken, wer weiß auf welcher SecO-Liste ich sonst noch gelandet wäre.

Die Transferbusse sind etwas schmal und eng, und die Sitze auch nicht gerade breit, und deshalb besetzen in einem Bus Gäste eine Sitzbank mit sich selbst und ihrem Handgepäck. Die dominikanischen Platzanweiser wollen nun, dass wir in dem Bus mitfahren, die Gäste weigern sich aber, das Handgepäck auf den Schoß zu nehmen, denn Gepäckablagen gibt es keine. Es kommt fast zu einer Meuterei, die Einheimischen werden übel beschimpft (zum Glück auf Deutsch), das Wort vom Viehtransport macht die Runde.

Wir steigen in den nächsten Bus. Dort nimmt man die Enge mit Humor, alles klappt wie am Schnürchen, nur losfahren können wir nicht. Warum? Weil die Paxe im Bus vor uns sich gerade den Urlaub versauen, in dem sie sich weiter aufregen, schimpfen und meutern. Nichts geht vorwärts, weil im ersten Bus ein paar Spinner sitzen. Wer seinen Urlaub so enden lässt, der muss doch echt einen Knall haben, oder?

In der Abflughalle kaufen wir noch Duty-Free-Rum, zischen ein paar Présidente (diesmal für nur 4 Dollar statt für 5 Dollar Fuffzich), und pünktlich können wir boarden. Die Crew von AB ist leider das Gegenteil der freundlichen und netten Crew des Hinfluges. Das Lächeln wirkt gequält, der Service wird gelangweilt durchgeführt. Liegt vielleicht am Essen. Die Wurst, die uns zum Frühstück serviert wird, bringt mich auf die Idee, Air Berlin wegen versuchter Körperverletzung anzuzeigen. Echt eklig. Dank Rückenwind sind wir schnell unterwegs, wir sitzen die 7 ¾ Stunden Flug auf einer Backe ab, und morgens um sieben Uhr hat uns eine graue kalte Heimat wieder.
 

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