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Testbericht Norwegian Epic: Premiere der neuen NCL-Generation
VON RNuyken (Baujahr: 51)
SchiffDunker
Eingetragen am22.02.2010
Reise vom19.06.2010
Dauer2 TAGE
RouteRotterdam-Seetag-Rotterdam
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REISEBERICHT IM DETAIL

 

Testbericht MS Norwegian EPIC
 
Am 18.6.2010 hat NCL das neue Flaggschiff von der Werft übernommen und schon am 19.6.2010 waren drei Treffpunkt-Schiff-Mitarbeiter während einer 2-tägigen Testfahrt an Bord. Hier der Bericht.
 
Mit Platz für 4.200 Passagiere ist die Norwegian EPIC das größte Schiff der Flotte. Mehr Platz bedeute viele neue Freizeit- und Speise-Angebote. Wohl einmalig auf See ist der große Aquapark mit gleich drei Röhrenrutschen. Der Poolbereich am Heck wird abends zur Open-Air-Discothek, der Pool zur Tanzfläche. Gigantisch! Erstmals auf einem Schiff gibt es eine Eisbar, in der eine konstante Temperatur von -26 °C herrscht – Eintritt 20,- Dollar, inklusive zwei Cocktails und natürlich Thermomantel.
 
Im Inneren überrascht die Norwegian EPIC mit für US-Schiffe untypischer Farbgestaltung: statt schrillen, bunten und für den deutschen Geschmack grenzwertigen Farbkombinationen kommt die EPIC sehr ruhig, charmant, ja fast gediegen daher. Es dominieren warme Farben, viel Holz, große Glas-/Kristall-Leuchter, dabei aber keineswegs altbacken, sondern zeitgemäß modern.
 
Noch vielseitiger wurde das Speiseangebot, insbesondere am Abend: auf der Norwegian EPIC gibt es nicht weniger als 20 Dinner-Optionen, vom französischen Gourmet-Tempel „Le Bistro“ (Aufpreis 20,- Dollar) bis zum Pizza-Lieferservice auf die Kabine (5,- Dollar). Neben den zuschlagpflichten Spezialitäten-Restaurants werden 11 Dinner-Optionen ohne Aufpreis angeboten.
Neue Wege werden auch bei der Abendunterhaltung beschritten. Statt aufwendiger Production Shows mit eigenen Casts werden auf der Norwegian EPIC „gekaufte“ Shows präsentiert: in der Premierensaison sind die Shows der „Blue Man Group“ die Sensation – Vorabreservierung im Internet wird empfohlen, der Besuch der Show ist im Reisepreis enthalten. Unter den Testern wurde spekuliert, dass NCL für derartige Shows in Zukunft möglicherweise Eintritt verlangen wird. Kostenpflichtig ist bereits der Besuch des Zirkus-Spektakels „Cirque Dreams & Dinner“ (je nach Platz 15 oder 20 Dollar). Die Show ist spektakulär, das Essen eher mittelmäßig.
 
Bemerkenswert erscheint uns die Qualität der Musiker an Bord, die die Unterhaltung in den Bars und öffentlichen Räumen gestalten. Besonders gefallen hat uns die Jazz- und Blues-Bar „Fat Cats“. Aber auch die Discothek „Blizz-Ultra-Lounge“ gibt es mit den von der Norwegian Pearl und Norwegian Gem bekannten Bowling-Bahnen.
 
Mit über 2.800m² bietet die Norwegian EPIC, nach eigenen Angaben, den größten SPA-Bereich auf dem Meer. Dieser besteht aus einem riesigen Fitness-Bereich (mit Squash-Court), einer großen Anzahl Massage- und Behandlungskabinen und einem großzügigen Sauna- und Nassbereich. Neben gesonderten Sauna-Bereichen für Damen und Herren (alle mit Meerblick) gibt es zusätzlich einen gemischten Bereich, mehrere Whirlpools, ein Gymnastik-Becken und Ruheliegen im Innenbereich und auf einem Balkon am Heck des Schiffes. Der Zugang zu diesem Saunabereich wird mit 30 Dollar pro Tag berechnet, Wer eine SPA-Kabine bucht, hat freien Zugang.
 
Besonders innovativ waren die Architekten bei der Gestaltung der Kabinen: die Außenkabinen (übrigens alle mit Balkon) haben eine geschwungene Seitenwand, die die Kabine in einen schmaleren und einen bauchigen Bereich für das Bett aufteilt. Die Kabinen wirken dadurch geräumiger. Neu ist auch der Nassbereich: statt einer winzigen Nasszelle wird der gesamte Eingangsbereich der Kabine zum Bad: rechts eine WC-Kabine, links die Duschkabine, dazwischen Holzfußboden, das Ganze zur Kabine abtrennbar durch einen Vorhang. Schon im Zimmer der kleine Waschtisch. Eine Schrankwand entlang der gesamten Kabine mit eingelassenem Kosmetiktisch, Flachbildschirm und Minibar bietet mehr Stauraum, als man es von anderen Schiffen kennt. Den Kabinendesignern ist wirklich der große Wurf gelungen, wenn auch mit kleinen Abstrichen: es fehlen die Handtuchhalter am Waschtisch, die Betten sind mit 1,80m Länge für große Zeitgenossen etwas kurz geraten und die Balkone sollten statt mit fester Stühlen besser mit verstellbare Liegestühlen ausgestattet werden, denn alle Balkone sind mit 6-9 m² wirklich sehr groß im Vergleich zu den Balkonen anderer Schiffe.
 
Neu, einzigartig und zur Nachahmung von unserer Seite sehr empfohlen ist das Studio-Konzept für Alleinreisende. Diese ca. 120 Studios sind kleine Innenkabinen, die ohne Einzelzuschlag angeboten werden. Die 9 m² sind unglaublich geschickt genutzt mit Dusch-Kabine, WC, Waschtisch, Flat-TV und einem 1,40m breiten Bett. Ein großes Milchglasfenster zum Korridor (mit Jalousie) und große Spiegel schaffen ein großzügiges Raumgefühl. Theoretisch sind diese Studios auch für 2 Personen nutzbar, für zwei ist dann der Schrankraum allerdings zu knapp.  Alle Studios liegen in einem speziellen Studio-Korridor mit modernem Licht-Design: die indirekte Beleuchtung ändert sich ständig – mal grün, mal blau, mal rot. Dieses Lichtdesign setzt sich übrigens in den Kabinen fort. Dieses super-moderne, fast spacige Design soll vornehmlich jugendliche Reisegäste mit kleinem Budget ansprechen. Und damit die Einzelreisenden schnell Kontakt finden, gibt es eigens für die Studiogäste eine spezielle Lounge mit Bar und kleinem Snack-Angebot.
 
Noch größer und exklusiver wurde der Courtyard-Bereich auf Deck 16 bis 18 ausgestattet. Der hässliche, an einen Container erinnernde Glaskasten, dominiert den Vorschiffbereich über der Brücke wie ein Fremdkörper. Die Gäste der 60 Suiten unterschiedlicher Größe genießen hier ein „Schiff im Schiff“, erstmals mit eigener Lounge/Bar, mit Spezialitäten-Restaurant, Pool und Sonnendeck, mit eigenem Fitness-Studio, Dampfbad und dem Posh-Beach-Club sowie einer Cocktail-Bar an Deck mit sanfter Musikunterhaltung am Abend.
 
Nur Licht ohne Schatten? Natürlich nicht. Vieles ist dabei sicher Geschmacksache: so finden wir die Gestaltung der öffentlichen Räume auf den Decks 5, 6 und 7 nicht optimal: während andere Reedereien ein weites Raumgefühl in lichtdurchfluteten, vielstöckigen Atrien schaffen, wirken diese Decks auf der Norwegian EPIC eng, selten findet man ein Fenster mit Licht von außen. Unglücklich ist da die Lage des Casinos: Spielautomaten und Spieltische verstellen die Passagen und wirken eher aufdringlich statt einladend. Gerade älteren Reisegästen wird die Orientierung schwer fallen, vor allem auch auf Deck 14: wer eine Kabinen zwischen 14054 und 14096 (gerade Nummern) hat, braucht schon einen guten Orientierungssinn, um seine Kabine zu finden: im Kabinengang der ungeraden Nummern muss man eine Tür (ohne Hinweisschild) finden, die zu einem verwinkelten Korridor führt, an dessen Ende man die Kabinen findet. Schließlich fanden wir die Architektur der Außenbereich nicht optimal: es gibt zwar großzügige Deckflächen, jedoch gibt es an keiner Stelle den beliebten Blick vom Heck auf’s Meer. Und die Promenade im unteren Deckbereich, auf der EPIC ist das Deck 7, bietet keine geeignete Rückzugsmöglichkeit für Ruhesuchende, denn hier versperren die Rettungsboote die Sicht, die bei anderen Schiffen erhöht hängen.
 
Wem können wir die Norwegian EPIC empfehlen und für wen ist sie nicht die optimale Wahl? Wir empfehlen die EPIC vor allem Familien: die Kids- und Teens-Bereiche sind mustergültig, auch bei Belegung mit 4 Personen wird es in den Balkonkabinen nicht eng. Eine gute Wahl ist die EPIC für allein reisende Jugendliche und Singles wegen des tollen Studio-Konzepts. Außerdem empfehlen wir dieses Schiff dem anspruchsvollen, luxusgewohnten Reisenden, der eine exklusive, private Atmosphäre sucht, aber nicht auf die Vorteile eines großen Schiffes verzichten möchte. Für Senioren, insbesondere wenn sie allein reisen, ist die EPIC weniger geeignet: auf einigen Decks fällt die Orientierung schwer und obwohl deutschsprachiger Gästeservice angeboten wird (Rezeption, Tagesprogramm, Speisekarte, Ausflüge), empfehlen wir doch zumindest solide Grundkenntnisse der englischen Sprache, um mit dem Kabinensteward und dem Servicepersonal kommunizieren zu können und um Ansagen im Theater oder einzelne Borddurchsagen (nur die wichtigsten werden auch in Deutsch durchgegeben) verstehen zu können.
 
Unser Tipp: Wenn Sie Ihre Kabine mit maximal 3 Personen belegen, achten Sie bei der Auswahl einer Balkonkabine auf den exakten Kabinengrundriss. Ihre Kabine wirkt wesentlich großzügiger, wenn das Bett in der Nähe des Fensters steht, wenn der „Kabinen-Bauch“ also am Fenster und nicht in der Kabinenmitte liegt. Sie gewinnen Platz zwischen Nassbereich und Bett, die Kleiderschränke sind in praktischer Nähe. Wenn das Bett hingegen direkt neben dem Nassbereich liegt müssen Sie immer ums Bett herumlaufen, um an die Schränke zu kommen.
 
Fazit: obwohl von außen keine Schönheit wartet die Norwegian EPIC innen mit einem Feuerwerk innovativer Ideen auf.  Norwegian EPIC ist eine schwimmende Urlaubsinsel mit Unterkunfts-, Restaurant-, Unterhaltungs- und Freizeitangeboten für jeden Anspruch, eine Top-Alternative zu einem tollen Ferienziel an Land. Kabinen aller Komfort- und Preisklassen, 20 Dinner-Optionen für jeden Geschmack und Geldbeutel, dazu ohne feste Essenzeiten und Dress-Code, abwechslungsreiche Shows, Bars, Pool- und SPA-Bereiche bieten genügend Abwechslung für einen ganzen Urlaub – eigentlich ist es da egal, wo die EPIC fährt, Hauptsache die Sonne scheint!
© Rainer Nuyken,Treffpunkt Schiff / AtourO GmbH 2010

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